Höhlenmalerei: Die Urahnen der Wisente
Evolution Höhlenmalerei verrät Urahn der Wisente
Wisente stammen von Auerochsen und Steppenbisons ab - und die Höhlenkunst der damaligen Menschen dokumentiert diesen Übergang: Aus Genomanalysen und mit Hilfe von Höhlenzeichnungen hat ein internationales Forscherteam den Stammbaum des Wisente, auch bekannt als Europäische Bisons, rekonstruiert.
Die Art entstand demnach aus einem Mischling aus Auerochsen und Steppenbisons, die beide seit langem ausgestorben sind. "Das Ergebnis, dass eine Vermischung zu einer völlig neuen Art geführt hat, war eine echte Überraschung - so etwas passiert eigentlich nicht bei Säugetieren", sagt Studienleiter Alan Cooper von der australischen University of Adelaide.
Auerochsen und Steppenbisons gab es zuerst
Aus der Zeit vor über etwa 12.000 Jahren waren in Europa demnach nur Fossilien zweier Arten von Rindern bekannt: Auerochsen, die Ahnen der modernen Rinder, und Steppenbisons, die auch in Amerika vorkamen und ein Vorläufer des heutigen Amerikanischen Bisons sind. Vom Wisent dagegen tauchen archäologische Spuren erst ab dem Holozän auf, also vor etwa 11.700 Jahren.
Zwar ist der Wisent mit dem Amerikanischen Bison verwandt, aber enger ist die genetische Beziehung zu Hausrindern. Um die Verwandtschaft zu klären, sequenzierten die Forscher das mitochondriale Erbgut, das nur über die mütterliche Linie weitergegeben wird, aus Knochen und Zähnen von 64 Bisons. Die Funde waren in Europa zwischen Pyrenäen, Ural und Kaukasus entdeckt worden und stammten aus mehreren Jahrtausenden.
50.000 Jahre alte Bisonknochen aus l'Aven de l'Arquet in Frankreich
Foto: Julien Soubrier89 Prozent Steppenbison-Ge nom
Die Analyse zeigt, dass Auerochsen und Steppenbisons sich vor etwa 120.000 Jahren während der Eem-Warmzeit vermischten. Der daraus entstandene Hybrid war der Vorläufer des Wisents und teilte die Region mit dem Steppenbison. "Die neue Hybridform dominierte in kälteren Tundra-artigen Phasen ohne warme Sommer", sagt Cooper.
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Insgesamt stammen etwa elf Prozent des heutigen Wisent-Genoms von Auerochsen und 89 Prozent von Steppenbisons, wie das Team im Fachblatt "Nature Communications" berichtet .
Genaue Dokumentation in Höhlenzeichnungen
Erstaunlicherweise scheinen die damaligen Menschen den Übergang in ihren Höhlenzeichnungen genau dokumentiert zu haben. Etwa 21 Prozent der steinzeitlichen Höhlenkunst zeigen Bisons - allerdings mit unterschiedlichen Gestalten.
"In der Höhlenkunst sind zwei verschiedene morphologische Formen von Bisons klar unterscheidbar", schreibt das Team, dem auch Forscher aus Mainz, Tübingen und Jena angehören: eine Form mit langen Hörnern, die dem modernen Amerikanischen Bison ähnelt, und eine Form mit kürzeren Hörnern, die dem Wisent gleicht.
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Bislang erklärte man die Unterschiede mit stilistischen oder individuellen Eigenheiten. Dagegen betonen die Autoren nun, die Darstellung des Steppenbison-Typs sei bei älteren Malereien häufig, vor dem Höhepunkt der letzten Eiszeit vor etwa 18.000 bis 22.000 Jahren.
Dazu zählen etwa die aus der Höhle von Lascaux in Südfrankreich. Die Wisent-ähnlichen Bilder, die noch die Hybridform zeigen, stammen dagegen aus der Zeit bis vor etwa 17.000 Jahren. Beispiele sind die Zeichnungen in den Höhlen von Pergouset oder Marsoulas.
Nachzuchten aus dem Zoo
"Im Gegensatz zu früheren paläontologischen Interpretationen lebten die Vorläufer des modernen Wisents in Europa während des gesamten späten Pleistozäns", schreibt das Team. "Die zwei unterschiedlichen Bison-Formen in der steinzeitlichen Kunst zeigen, dass frühe Künstler die Ablösung des Steppenbisons durch die hybride Form in Westeuropa um den Höhepunkt der letzten Eiszeit dokumentiert haben."
Auch das Wisent wäre bis zum 20. Jahrhundert fast ausgestorben. Heutige Populationen, die es auch in Deutschland wieder gibt, sind Nachfahren eines Zuchtprogramms, das auf zwölf Tieren aus zoologischen Gärten basiert.