WWF-Jahresbilanz: Artenschutz gerät ins Hintertreffen - DER SPIEGEL
Zum Inhalt springen
Fotostrecke

Artensterben: Gefährdete Vielfalt

Foto: WWF - Canon / John MacKINNON

WWF-Jahresbilanz Artenschutz gerät ins Hintertreffen

Das Artensterben ist auch 2010 vorangeschritten - trotz ehrgeiziger Ziele der Staatengemeinschaft. Das ist die Bilanz der Umweltorganisation WWF. Zu den größten Verlierern zählen demnach Nashörner und Wale. Etwas Hoffnung gibt es immerhin für den Tiger.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Artenschutz

Frankfurt am Main - Die Umweltstiftung WWF hat eine durchwachsene Bilanz für den im diesem Jahr gezogen. Die biologische Vielfalt sei weltweit wieder zurückgegangen, teilte der WWF am Dienstag in Frankfurt mit. Dabei glaubt der WWF, der werde vor allem von Menschen verursacht - durch die Zerstörung von Lebensraum, den Klimawandel oder Wilderei.

Zu den Verlierern des Jahres 2010 zählt die Stiftung das Nashorn, den Hai, den Thunfisch, die Koralle, das Schuppentier und die Wale:

Walfang

  • Nashorn: Von Januar bis September 2010 hat Südafrika nach WWF-Angaben mehr als 230 Nashörner durch Wilderei verloren. Damit wird in dem Land durchschnittlich alle 30 Stunden ein Breit- oder Spitzmaulnashorn getötet. "Die Hörner gehen vor allem nach Asien, wo sie in geriebener Form als dubiose Heilmittel eingesetzt werden", sagte WWF-Artenschutzexperte Stefan Ziegler.
  • Hai, Thunfisch und Koralle: Das größte Problem sei, dass es keine internationalen Handelsverbote für diese Arten gebe, beklagt der WWF. So lande der Blauflossenthunfisch weiterhin als Sushi-Delikatesse auf dem japanischen Markt - obwohl die Population um bis zu 85 Prozent eingebrochen ist. Ähnlich dramatisch sei die Situation von Weißspitzen-Hochseehai und Hammerhai: Die Flossen dieser Fische endeten noch immer in der Suppenschüssel. Die Rote Koralle werde weiterhin Bestandteil von Medizin- und Schmuckprodukten sein.
  • Schuppentier: Binnen eines Jahres seien in Asien vermutlich Hunderttausende von Schuppentieren gewildert worden, befürchtet der WWF. Nach einem im Oktober veröffentlichten Report seien es allein für ein einziges Schmuggler-Syndikat auf der Insel Borneo rund 22.000 Schuppentiere gewesen. Die Dunkelziffer aber liegt vermutlich viel höher.
  • Wale: Auch in Sachen und -schutz brachte das Jahr 2010 erneut keinen Konsens. Bei der Jahrestagung der Internationalen Walfangkommission (IWC) kam es zu heftigen Debatten - ein Ergebnis wurde allerdings nicht erzielt. Und so bleiben bedrohte Arten trotz Moratorium weiter auf der Abschussliste, vor allem der Walfangnation Japan.

Immerhin: Der WWF benannte auch einige Gewinner, darunter den vom Aussterben bedrohten Tiger. Nur noch rund 3200 Tiger leben nach WWF-Schätzung in freier Wildbahn. Zwar sei der Druck durch Wilderei und Lebensraumzerstörung nach wie vor eine große Bedrohung, doch nach dem "Jahr des Tigers 2010" gebe es Hoffnung für die Großkatze: Im November haben sich Vertreter aller dreizen Tiger-Verbreitungsstaaten auf einem Artenschutztreffen zu einem Tiger-Rettungsplan bekannt. Ziel ist es, die Bestandszahlen des Tigers bis 2022 zu verdoppeln. Erste Erfolge kann die Amur-Region zwischen Russland und China vermelden: Dort sind die Bestandszahlen des Tigers seit einigen Jahren stabil.

Auch die Rückkehr des Wolfs nach Deutschland schreitet nach WWF-Angaben weiter voran. Sowohl in der Lübtheener Heide in Mecklenburg-Vorpommern, als auch in Bayern sei jeweils ein Wolf gesichtet worden. Deutschlandweit gibt es nach Schätzungen des WWF zwischen 60 und 75 Wölfe. Ein Großteil davon lebe in der sächsischen Lausitz.

Überfischung

Während für viele Arten die zu einem großen Problem wird, ist dagegen der Bestand des Dorsches in der Ostsee auf das Dreifache angewachsen, meldet der WWF. Die Gründe seien eine Verkleinerung der Fangflotte sowie eine konsequente Eindämmung der illegalen Fischerei. Um diesen Trend auch langfristig zu sichern, fordert der WWF die strikte Einhaltung des EU-Wiederaufbauplans für das kommende Jahr: "Die Fischereiminister müssen auch in den kommenden Jahren die Fangquoten mit Bedacht festlegen und den wissenschaftlichen Empfehlungen folgen."

cib/dpa