Zerstörte Riffe: Biologen züchten Ersatzteile für Korallen - DER SPIEGEL
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Transplantation im Wasser: Korallen auf Kacheln

Foto: ZMT / Sascha Romatzki

Zerstörte Riffe Biologen züchten Ersatzteile für Korallen

Flicken für die geschundene Unterwasserwelt: Auf Kacheln lassen Forscher Korallen wachsen, die sie in zerstörte Riffe einsetzen. Solche Transplantationen sollen den bedrohten Meeresgärten neues Leben einhauchen.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Bremen - Manche Korallenriffe sind krank. Sie leiden unter verschmutztem Wasser, unter zu warmem Wasser oder unter Zerstörungen, die Menschen angerichtet haben. In Bremen jedoch ist die Unterwasserwelt noch in Ordnung. Schillernde Fische schwimmen durch farbenfrohe Rifflandschaften in den Tanks im Leibniz-Zentrum für Marine Tropenökologie. Neongrüne Astkorallen, mächtige Geweihkorallen und zahlreiche andere Arten tummeln sich.

Dort züchten Forscher quasi Ersatzteile für Korallen. Es gedeiht die Hoffnung für die Wiederbelebung von Korallenriffen. Auf Kacheln haben die Wissenschaftler kleine Korallenstücke geklebt. Statt zu sterben, wachsen die Fragmente weiter. "Bestimmte Korallenarten lassen sich so relativ einfach züchten", erläutert der Riffökologe Sebastian Ferse.

Im Aquarienhandel kommt dieses Verfahren schon länger zum Einsatz. Mit seiner Hilfe können aber auch karge Unterwassersteppen wieder aufgeforstet werden. Dafür werden gezüchtete Kolonien einfach in die geschädigten Riffe verpflanzt. Vor allem Israel, die USA und die Philippinen gelten als Vorreiter bei der Korallentransplantation. Ein Heilsbringer sei diese Verpflanzung jedoch nicht, betont Ferse. "Sie funktioniert nur unter speziellen Bedingungen."

Das bekam der junge Meeresbiologe in Indonesien deutlich zu spüren, wo er für seine Doktorarbeit Korallen im Nationalpark Bunaken im Norden von Sulawesi verpflanzte. Das Riff in dem Taucherparadies ist an den Rändern stark geschädigt, im Herzen dagegen noch relativ intakt. Ferse nahm also einige Kolonien der Nesseltiere aus dem gesunden Teil und siedelte sie in dem zerstörten an. Mit dem Ergebnis, dass diese dort ebenfalls abstarben.

Dynamit im Korallenriff

Wenn Wassertemperaturen steigen, kommt es mitunter zur Korallenbleiche - die kleinen Nesseltiere sterben massenhaft ab. Allein bei der bislang schlimmsten Korallenbleiche 1997/1998 gingen der Initiative Reef Check zufolge zehn Prozent der weltweiten Riffe zugrunde. Manche Korallen indes können sich offenbar selber retten, sie halten erstaunlich hohe Temperaturen aus.

Auch die Fischerei schadet den Riffen. Gerade in Südostasien lebt ein Großteil der Menschen von Meeresressourcen, so dass viele Fanggebiete überfischt sind. Dazu kommt, dass die Fischer in einigen Ländern wie Indonesien immer noch mit Dynamit oder giftigem Cyanid auf Fang gehen - und so verheerende Schäden an den Riffen anrichten.

Das Aufforsten allein kann die prächtigen Unterwasserlandschaften deshalb nicht retten. "Korallentransplantation kann überbrücken. Sie kann einem Riff Starthilfe geben, das ins Straucheln geraten ist", sagt Ferse. Entscheidend sei jedoch, sagt Christian Neumann von der Naturschutzorganisation WWF, die Zerstörung der Riffe von vornherein zu verhindern.

Irena Güttel, dpa