Entdeckungen: Wie der Zufall die Welt verändert hat
Plastik fressende Raupen und Co. Entdeckt von Doktor Zufall
Forscherglück, so könnte man in einem Wort beschreiben, was zu so manch großer Entdeckung geführt hat. Doch selbst, wenn die Entdeckung am Ende gar nicht so groß war: Der Zufall hat in der Wissenschaft schon oft nachgeholfen.
Zuletzt war das bei einer Forscherin aus Spanien der Fall. Sie hatte als Hobby-Bienenzüchterin häufiger mit einer Mottenart zu tun, die sich vom Wachs der nützlichen Insekten ernährt. Als sie die kleinen Plagegeister entnervt in einer Plastiktüte entsorgen wollte, stellte sie nach einiger Zeit verwundert fest: Die Tüte hatte Löcher, die Raupen der Großen Wachsmotte (Galleria mellonella) waren entkommen.
Im Labor konnte die Biologin von der Universität in Santander, die eigentlich an Hühnerembryos forscht, später nachweisen: Die Mottenart frisst den wohl am häufigsten verwendeten und biologisch kaum abbaubaren Kunststoff Polyethylen (PE). Und das in einem Tempo, mit dem die Art sogar zu einer Lösung für das Müllproblem beitragen könnte.
Entdeckungen: Wie der Zufall die Welt verändert hat
Vor wenigen Jahren hatte es schon mal eine ähnliche Entdeckung gegeben: Ein Wissenschaftler aus China beobachtete in seinem Hausmüll, wie Dörrobstmotten (Plodia interpunctella) Löcher in das Plastik fraßen. In einer anschließenden Studie fand der Forscher heraus, dass Bakterien aus dem Darmtrakt der Tiere das PE-Plastik angegriffen hatten. Allerdings war das Fresstempo der Mikroben recht langsam. Erst nach zwei Monaten war es auf der Waage sichtbar.
Solche Zufälle gibt es in der Wissenschaft immer wieder. Sie zeigen nicht nur, dass erfolgreiche Forschung auch eine gute Portion Glück braucht. Sondern auch, dass gute Wissenschaftler in der Lage sind, das Potenzial solcher Zufälle überhaupt zu erkennen. Die bakterientötende Wirkung des Penicillium-Schimmelpilzes etwa hatten vor Alexander Fleming schon andere beobachtet.
Raupen fressen Plastik: Der Zufallstreffer aus dem Bienenstock
Doch erst der Brite erkannte, was für eine unglaublich wichtige Entdeckung dahintersteckte: die des Antibiotikums. Zudem braucht es den Mut, mit seiner Beobachtung und der daraus abgeleiteten Hypothese auch scheitern zu können - ein gutes Argument für Grundlagenforschung aller Art, deren Zweck von Kritikern in manchen Fällen angezweifelt wird.
Viagra, Teflon oder Mikrowellen - all diese Entdeckungen wurden per Zufall gemacht. Eine kleine Auswahl der wichtigsten Glücksfälle der Wissenschaftsgeschichte finden Sie in dieser Fotostrecke.