Neue Dimension
Viele Fachleute, wie etwa der Chemie-Nobelpreisträger Donald Cram, gehen davon aus, daß aus den fußballförmigen Molekülen eine »völlig neue Chemie entstehen« könnte. Sie erwarten von den Fullerenen eine chemische Revolution - ähnlich wie im letzten Jahrhundert, als die ringförmige Kohlenstoffverbindung Benzol zum Ausgangsstoff für Farben, Arzneimittel und Kunststoffe wurde.
Während der Benzolring aber nur ein flaches, scheibchenförmiges Molekül ist, füllen die hohlen Kohlenstoffkugeln den ganzen Raum aus; die Chemiker stoßen so in eine völlig neue Dimension vor.
Entsprechend unübersichtlich ist selbst für Experten inzwischen das Feld möglicher Anwendungen der Moleküle. So gelten Fullerene unter anderem als ideales Schmiermittel für Präzisionsmaschinen; aber auch als Halb- und Supraleiter in der Mikroelektronik sind sie rekordverdächtig.
Weil die fußballförmigen Moleküle sogar mit mehr als 27 000 km/h gegen eine Metallwand geschossen werden können und unbeschadet wie Pingpongbälle zurückprallen, sind sie auch für Anwendungen unter hohem Druck im Gespräch, etwa als eine Art molekulares Kugellager oder als ein Super-Raketentreibstoff. Zudem sollen sich aus den Hohlkugeln Transportbehälter für Arzneistoffe, federleichte Batterien und neuartige Kunststoffe fertigen lassen.
Aufgrund ihrer besonderen optischen Eigenschaften eignen sich die Riesenmoleküle offenbar hervorragend für den Bau farbiger Flachbildschirme. Auch als Schalter zukünftiger optischer Computer und als Grundstoff für leistungsstarke Solarzellen der übernächsten Generation könnten sie Anwendung finden.
Von der neuesten Masche berichteten kürzlich japanische Forscher: Sie füllten zylindrisch geformte Fullerene mit Blei - und gewannen so die dünnsten jemals von Menschenhand geschaffenen Drähte: Ihr Durchmesser beträgt nur wenige Atome.