Ost-West-Gefälle - DER SPIEGEL
Zum Inhalt springen
Zur Ausgabe
Artikel 76 / 115

SCHWANGERSCHAFT Ost-West-Gefälle

• aus DER SPIEGEL 9/2001
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Nirgendwo in Europa treiben Frauen so häufig ab wie in Russland. Dort werden laut Weltgesundheitsorganisation WHO auf 1000 Geburten 1695 abgebrochene Schwangerschaften gezählt. Insgesamt liegen die Zahlen in den osteuropäischen Staaten wesentlich höher als in den westeuropäischen; auch innerhalb Deutschlands gibt es ein deutliches Ost-West-Gefälle. Abtreibungen gelten nach wie vor in den Ländern des ehemaligen Warschauer Pakts eher als legitimes Mittel der Familienplanung. Viele Frauen könnten sich keine Verhütungsmittel leisten, so die WHO. In Rumänien etwa sind Pille, Spirale oder Diaphragma oft nur gegen Devisen zu bekommen. In Russland müssen schlecht verdienende Frauen bis zu zwei Drittel ihres Monatslohns für eine Packung Vaginalschaum hinlegen. Selbst in Ländern relativen Wohlstands wie Tschechien oder Ungarn ist Schwangerschaftsabbruch üblich - Erbe der sozialistischen Gesetzgebung, die Abtreibung lange vor der Erfindung der Pille legalisierte. Das katholische Polen bildet die Ausnahme: Dort ist ein Abbruch nur erlaubt, wenn die Frau vergewaltigt worden, ihre Gesundheit bedroht oder der Fötus missgebildet ist.

Zur Ausgabe
Artikel 76 / 115