Pelzfarmer am Pranger - DER SPIEGEL
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TIERSCHUTZ Pelzfarmer am Pranger

• aus DER SPIEGEL 3/2002
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Europas Pelztierindustrie gerät unter Druck: Soeben hat die EU-Kommission in einem Expertenbericht bemängelt, dass die gängigen »Zuchtsysteme für alle Pelztiere schwere Probleme verursachen«. Nun will Verbraucherministerin Renate Künast die Haltungsrichtlinien verschärfen. Auch Schwedens Landwirtschaftsministerin Margareta Winberg findet es »unethisch«, Nerze und Füchse lebenslänglich hinter Gittern zu halten. Biologen sollen ihr bis Ende März einen Report über die Lage der eingesperrten Pelztiere liefern. In Großbritannien und in mehreren Bundesländern Österreichs ist die Massenzucht ohnehin bereits verboten. 30 Millionen Tiere, 300 000 davon in Deutschland, fristen nach Angaben der Tierschutzorganisation »Vier Pfoten« in der EU ihr Dasein, um eines Tages zu Nerzmänteln, Fuchsjacken und pelzigem Schnickschnack verarbeitet zu werden. Die EU-Wissenschaftler bestätigten nun, was Tierschützer und Verhaltensforscher schon länger anprangern: Der typische Nerzkäfig mit Drahtboden, von dessen Gitter die agilen Kleinräuber ihren Futterbrei auflecken müssen, »behindert das Wohlergehen, weil er wichtige Bedürfnisse verweigert«. Viele Tiere verstümmeln sich selbst, töten ihren Nachwuchs und verfallen in stereotype Zwangsbewegungen. Nach qualvollen acht Lebensmonaten, so Pelztierfachmann Robert Kleß von »Vier Pfoten«, ist sogar noch das Sterben oftmals grausam: Die Vergiftung durch Gas oder Spritze werde oft nachlässig durchgeführt, ebenso die Kontrolle des eingetretenen Todes durch Überprüfung des Pupillenreflexes. So könne es dazu kommen, dass Tiere »bei lebendigem Leib« abgepelzt werden.

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