WISSENSCHAFT + TECHNIK Reaktor-Katastrophen unvermeidlich?
Bis zum Jahre 2000, warnen Wissenschaftler des Worldwatch Institute in Washington, drohen der Welt drei weitere Reaktor-Katastrophen vom Ausmaß des Tschernobyl-Unglücks. Gegenwärtig werden rund um den Erdball 416 Atomkraftwerke betrieben, Ende der neunziger Jahre sollen es nach den Plänen der Atom-Industrie 500 sein - mit jedem Meiler wächst das Risiko: Jeder Reaktor, gleichgültig ob er 30 oder 300 Tage im Jahr betrieben wird, erhöht die Unfall-Wahrscheinlichkeit um ein »Reaktor-Jahr«. Nur einmal in 10 000 Reaktor-Jahren, so hatte noch Anfang der achtziger Jahre die Atom-Lobby vorgerechnet, sei mit einer folgenschweren Kernschmelze in Reaktoren zu rechnen. Diese Abschätzung - mit vielen gutwillig kalkulierten Unbekannten - wurde von der Wirklichkeit widerlegt: Das Unglück von Three Mile Island ereignete sich nach nur 1500 Reaktor-Jahren, der Meiler von Tschernobyl explodierte im April 1986 nach weltweit erst 3400 Reaktor-Jahren. In der Zukunft, so die Washingtoner Experten, werde es wohl noch schlimmer kommen - weil die Reaktoren altern. 1990 werden 35 Atommeiler jeweils schon 25 Dienstjahre hinter sich haben und damit gleichsam zu Hochrisiko-Meilern aufrücken: In alternden Reaktoren fanden Inspektoren Risse und Korrosionsschäden an sensiblen Bauteilen, mit denen kein Experte je gerechnet hatte.