Rettendes Wurzelgift - DER SPIEGEL
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Medizin Rettendes Wurzelgift

• aus DER SPIEGEL 27/1995
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Ein aus der Rizinus-Wurzel gewonnener Giftstoff, mit dem zu Zeiten des Kalten Krieges der bulgarische Journalist Andej Markow in London heimtückisch getötet wurde, verspricht jetzt Erfolge bei der Behandlung einer Form von Lymphdrüsenkrebs im weit fortgeschrittenen Stadium. An der von dem Onkologen Professor Volker Diehl geleiteten Klinik I für Innere Medizin in Köln gelang es dem Tumorspezialisten Andreas Engert, das Wurzelgift mit Antikörpern zu kombinieren. Die Antikörper spüren die Tumorzelle auf und schleusen erst am Zielort den Giftstoff in die kranke Zelle. Dieser Trick verhindert eine Schädigung gesunden Gewebes. Bei den 16 bisher mit der neuen Therapie behandelten Patienten handelt es sich, wie Engert sagt, »um Kranke, bei denen bisher keine Therapie zu einer Besserung geführt hat«. Bei einem Patienten aus Hamburg, der als nahezu hoffnungsloser Fall nach Köln kam, zeigte sich vor wenigen Wochen, daß der ursprünglich große Hodgkin-Tumor in der Leber des 32jährigen »fast nicht mehr nachweisbar« war. Engert weist darauf hin, daß es sich noch um eine experimentelle Therapie handele, die nur beim Hodgkin-Lymphon eingesetzt werden könne.

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