DATENBANKEN Rinderwahnsinn online
Vor fast einem Jahr wurde in München eine Datenbank eingerichtet, um die Verbraucher vor BSE-verseuchtem Rindfleisch zu schützen. Doch das »Herkunftssicherungs- und Informationssystem für Tiere«, kurz »HI-Tier« genannt, leidet immer noch an Kinderkrankheiten: Die Datensätze sind unvollständig, der Aufbau dauert länger als erwartet. Und die Bauern und Händler, die seit dem 26. September 1999 Meldung über Geburt, die Aufzucht und die Schlachtung eines jeden Rindes machen müssen, sind genervt von der Bürokratie. Jürgen Humke zum Beispiel, ein Viehhändler aus Neuenrade, quält sich seit Wochen durch einen Stapel von 761 Blatt Papier. Er hatte seine Rinder online angemeldet, doch die Übertragung war anscheinend fehlerhaft: »Jetzt habe ich alle meine Unterlagen ausgedruckt per Post zurückbekommen.« Allein der Landeskontrollverband in Münster muss voraussichtlich rund 60 000 Meldefehler, Zahlendreher und fehlende Angaben für die eine Million Rinder mit je zwei Datensätzen aus dem Raum Westfalen-Lippe korrigieren. Diese Fehlerquote ist normal für eine derartige Datenbank - und doch bedenklich hoch, wenn es um BSE geht. Schließlich grasen im Rest der Republik weitere 14 Millionen registrierte Rinder. »Wir sind dabei, all diese Fehler aufzuspüren und auszuräumen«, verspricht Richard Carmanns, Leiter der HI-Tier-Datenbank in München, doch all das dauere eben seine Zeit. Die Kritik dagegen bestärkt ihn eher: »Klar, ist der Viehhandel unglücklich über unsere Datenbank - die mögen die Transparenz nicht. Und stellen sich manchmal dümmer an, als sie sind.« Der Kuhhandel schaltet nun teilweise auf stur: »Ich lasse die Unterlagen jetzt erst einmal liegen«, schimpft Viehhändler Humke, »und warte auf eine Mahnung.«