Schadensersatz für ein Leben
forderte der Vater des 17-jährigen schwerstbehinderten Nicolas Perruche vor dem obersten französischen Gericht für seinen Sohn. Nicolas' Mutter hatte sich, während sie mit ihm schwanger war, mit Röteln infiziert. Weil sie das Risiko nicht eingehen wollte, ein behindertes Kind zu gebären, suchte sie ärztlichen Rat. Doch die Mediziner machten einen Diagnosefehler und gaben Entwarnung. Zu Unrecht: Taub, fast blind, gelähmt und so schwer geistig behindert, dass er sich selbst zu dem Fall nicht äußern kann, muss Nicolas heute in einem Heim betreut werden. In der vergangenen Woche sorgte das Urteil in der »Affaire Nicolas Perruche« für Aufsehen und moralische Entrüstung in Frankreich: Es wäre für Nicolas besser gewesen, nicht geboren zu werden, als ein Leben mit schwersten Behinderungen führen zu müssen, argumentierten seine Anwälte - und bekamen Recht. Indem die Ärzte die Behinderung nicht erkannten und so der Mutter die Möglichkeit einer Abtreibung nahmen, sei dem Sohn ein Unrecht zugefügt worden, entschieden die Richter. Dafür müsse er vom Arzt und dem beteiligten Diagnose-Labor entschädigt werden.