DENKMALPFLEGE Schätze im Dachstuhl
Nach sechs Jahren Forschung haben Wissenschaftler der Technischen Universität (TU) Berlin jetzt die Untersuchung der Dachwerke von 500 historischen Bauten in Thüringen und Sachsen-Anhalt abgeschlossen - mit »erstaunlichen Ergebnissen«, wie die TU mitteilt. Zahlreiche Objekte, zu denen auch alle 125 erhalten gebliebenen mittelalterlichen Kirchendächer der Region zählten, erwiesen sich als 200 bis 250 Jahre älter als bislang angenommen. Die beiden ältesten, schon in den Jahren 1151 und 1245 errichteten Bürgerhäuser fanden die Berliner Forscher in Erfurt. »Den Stadtvätern war gar nicht bekannt, welche historischen Schätze sie in ihren Mauern beherbergen«, erklärte TU-Projektleiter Johannes Cramer. Die exakten Daten ermittelten die Wissenschaftler mit Hilfe von 25 000 Holzproben aus den Dachwerken. Das Jahr, in dem die verwendeten Bäume gefällt worden waren, konnten sie bestimmen, indem sie die Jahresringbreiten mit den in den letzten Jahrzehnten erarbeiteten, bis zu 10 000 Jahre zurückreichenden Standardkurven für verschiedene Holzarten verglichen. »Die Dendrochronologie ist ein sicheres Datierungsverfahren«, so Cramer, »diese Uhr ist objektiv und von der Natur gemacht.« Das von der Deutschen Forschungsgemeinschaft mit einer Million Mark finanzierte Projekt hat neben den neuen Daten für die Kunstgeschichtler zugleich die Basis für die Restaurierung zahlreicher Bauwerke geliefert.