Schutz durch Farbe - DER SPIEGEL
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BIOLOGIE Schutz durch Farbe

• aus DER SPIEGEL 41/2001
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US-Forscher von der University of Wisconsin in Madison haben eine Erklärung dafür gefunden, warum sich im Herbst die Wälder im Nordosten Amerikas in ein scharlachrotes Farbenmeer verwandeln. Die roten Pigmente an der Blattoberfläche (Anthocyane) wirken demnach wie ein Sonnenfilter, der das für die Fotosynthese sorgende verletzliche Blattgewebe vor zu starkem Lichteinfall schützt. Zwar kann intensive Sonnenstrahlung diese Blattschichten zu jeder Jahreszeit schädigen. Doch der Herbst ist eine besonders heikle Phase: Einerseits benötigen die Bäume dringend Energie, um möglichst viele wichtige Nährstoffe aus den Blättern abziehen und für den Winter speichern zu können, ehe der Wind den Laubschmuck zu Boden treibt. Andererseits ist das Blattgewebe, in dem die Fotosynthese stattfindet, im Herbst besonders verletzlich. Die rötliche Farbenorgie, so glauben die Wissenschaftler, fungiert deshalb wie ein Pigmentschleier, der die verbliebene Fähigkeit zur Energiegewinnung in dieser kritischen Phase bewahrt. Mit der Theorie der Forscher aus Madison steht im Einklang, dass lichtgeschützte Blätter im Inneren oder an der Nordseite der Baumkronen weniger spektakulär leuchten. Die meisten europäischen Wälder begnügen sich mit schlichtem Gelb oder Orange - den US-Wissenschaftlern zufolge, weil dort der Herbsthimmel häufig bedeckt ist. Für widerlegt halten die Experten frühere Theorien, wonach in den Blättern eingeschlossene Zucker für den verschwenderischen Farbenrausch der Natur sorgen.

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