Schweißen am Schild - DER SPIEGEL
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Umwelt Schweißen am Schild

Mit Laserblitzen aus dem All will die Deutsche Aerospace das Ozonloch über der Antarktis stopfen - ein utopischer Kraftakt.
• aus DER SPIEGEL 36/1993
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Die Flugkörper sehen aus wie zu groß geratene Regenschirme; sie schweben 1500 Kilometer über den Köpfen der Menschen und sollen helfen, den löchrig gewordenen Ozonschild über der Antarktis zu flicken, durch den immer mehr krebserregendes UV-Licht auf die Erde strahlt.

Noch ist die Rettung aus dem All nur eine kühne Idee: Riesige Parabolspiegel fangen die Energie der Sonne auf und erzeugen Laserlicht, das in die Erdatmosphäre geschleudert wird. Die Lichtblitze knacken die in der Lufthülle reichlich vorhandenen zweiatomigen Sauerstoffmoleküle; ein Teil der freigesetzten Gasatome wandelt sich um in das dreiatomige Ozon (O3) - jene Substanz, an der es in 24 Kilometer Höhe mangelt. Auf diese Weise würde die ausgedünnte Ozonschicht wieder aufgefüllt.

Den verwegen klingenden Rettungsplan haben sich die Deutsche Aerospace AG (Dasa) und das russische Weltraumunternehmen NPO Energija ausgedacht. Letzten Mittwoch schlossen die beiden Raumfahrtfirmen in Moskau ein Abkommen, um gemeinsam die »Möglichkeiten zur Schließung des Ozonlochs« zu erkunden. Dasa-Chef Jürgen Schrempp: »Wir werden unsere Erfahrungen bündeln.«

NPO Energija sorgte kürzlich schon einmal für Aufsehen, als das Weltraumunternehmen vorschlug, riesige Spiegel in eine Erdumlaufbahn zu schießen. Die 20 Meter messenden Reflektoren sollten Sonnenlicht auf die Erde lenken, um Städte im Norden Rußlands während des langen arktischen Winters zu beleuchten.

Um das Konzept zu testen, setzte die russische Raumstation Mir Anfang Februar einen Experimentalspiegel aus, der sich auch wirklich nach etwa 10 Minuten entfaltete. Ein Meteorologe der Wetterstation auf der Zugspitze berichtete hinterher von einem »sehr hellen Schein«, der schnell vorübergezogen sei. Gänzlich ungeklärt bleibt, ob eine derartige Straßenbeleuchtung aus dem All bezahlbar wäre.

Auch über die Kosten für die jetzt vorgeschlagenen Schweißarbeiten am Ozonschild wisse man noch gar nichts, gibt Dasa-Sprecherin Ute Lieske-Wessendorf zu; bis Ende des Jahres soll eine »Durchführbarkeitsstudie« angefertigt werden.

Die Mühe könnte sich das deutsch-russische Ingenieursteam sparen. Für einen »hoffnungslosen Plan« hält, schon nach einer ersten Überschlagsrechnung, der Chemiker Dieter Perner vom Mainzer Max-Planck-Institut für Chemie die geplante Reparatur der Ozonschicht.

Um allein das 3000 Kilometer messende Ozonloch über dem Südpol mit Hilfe von Laserblitzen zu verstopfen, müßten pro Jahr, so Perners Rechnung, mindestens 78 000 Megawatt von außen in die Planetenhülle eingestrahlt werden; das entspräche der Energieleistung von 60 Kernkraftwerken des Krümmel-Typs.

Soll die von der Dasa vorgeschlagene Ozonreparatur mittels Sonnenlicht realisiert werden, wäre demnach eine gewaltige Armada von erdumkreisenden Laserbrütern vonnöten: Mindestens 24 Millionen aluminiumbeschichtete Spiegel von je 20 Meter Durchmesser müßten in Umlaufbahnen gehievt werden.

[Grafiktext]

_256b DASA: Ozonloch mit Laser schließen?

[GrafiktextEnde]

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