Schwerelos in 3 D - DER SPIEGEL
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RAUMFAHRT Schwerelos in 3 D

• aus DER SPIEGEL 20/2002
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Das Duschwasser schwebt als Ball durch den Raum und muss auf dem Kopf zerdrückt werden, die Rasierklinge bleibt nach der Benutzung wie angeschraubt in der Luft stehen - scheinbar zum Greifen nah für das Publikum mit seinen klobigen 3-D-Brillen. Noch nie wurde der Alltag im All so hautnah gezeigt wie im Film »Space Station 3 D«, der derzeit in deutschen Großleinwand-Kinos der Imax-Kette anläuft. Zwei Spezialkameras wurden eigens dafür entwickelt: Die eine wog 250 Kilogramm, fasste eine Meile Filmmaterial, wurde am Space Shuttle montiert und per Notebook ferngesteuert. Die mobile »Handkamera« dagegen wog zwar nur einen Zentner, konnte dafür aber auch bloß 108 Sekunden Film pro Filmrolle bannen. Die Kamera wagt sich derartig dicht ans Geschehen heran, dass die Zuschauer sehen, wie bei einem Raketenstart ein Filter direkt vor der Linse von einem umhergewirbelten Stein zertrümmert wird. Die extreme Nähe ist gleichzeitig die Schwäche des Spektakels: Inhaltlich ist der Film ein von Weltraumkitsch triefender Propagandastreifen, der sich geflissentlich ausschweigt über den eher fragwürdigen wissenschaftlichen Nutzen der ISS, die Kostenexplosion, oder auch nur das nervenaufreibende Chaos, das durch davongeschwebtes Werkzeug verursacht wird.

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