Skelette in Museen: Forscher setzen Superwürmer ein, um Knochen zu reinigen - DER SPIEGEL
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Unkonventionelle Reinigungsmethode Superwürmer machen Knochen super sauber

Um Skelette in Museen auszustellen, müssen sie frei von Knorpel oder Fleisch sein – doch herkömmliche Präparationsmethoden dauern oft lange oder haben andere Nachteile. Forscher lassen nun Würmer an den Knochen nagen.
Larven des Großen Schwarzkäfers (Zophobas morio)
Larven des Großen Schwarzkäfers (Zophobas morio)

Larven des Großen Schwarzkäfers (Zophobas morio)

Foto: Wirestock / IMAGO

Für die Forschung und Ausstellungen in Museen sind Tierskelette von herausragender Bedeutung. Die Knochen müssen sauber – also von allen organischen Weichteilen wie Knorpel, Fleisch oder Sehnen befreit – und unbeschädigt sein. Herkömmliche Methoden zur Reinigung bergen jedoch Tücken. Ein Team der Universität im iranischen Mesched und des Naturkundemuseums Stuttgart hat nun »Superwürmer« als schnellere, umweltfreundlichere, risikoärmere und günstige Alternative erprobt.

Dabei handelt es sich um mehlwurmartige Larven des Großen Schwarzkäfers (Zophobas morio), wie die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler in der Fachzeitschrift »PLOS One«  erläutern. Die bis zu sechs Zentimeter langen Tiere fressen den Angaben nach innerhalb weniger Stunden oder Tage Skelette blitzeblank – je nachdem, ob man ihnen eine kleine Hausmaus oder einen großen Wolf zum Fraß vorwirft.

Schwarzkäferlarven fressen an einem Wolfsschädel

Schwarzkäferlarven fressen an einem Wolfsschädel

Foto: Morteza Monfared / Staatliches Museum für Naturkunde Stuttgart / dpa

Um den Larven die Arbeit zu erleichtern, wurden die zu skelettierenden Tiere zuvor enthäutet, von inneren Organen befreit und 20 bis 45 Minuten lang in 80 Grad heißem Wasser aufgeweicht.

Knochenschonender Einsatz

Der konventionelle Einsatz von Enzymen oder Chemikalien dauert den Angaben nach oft lange und ist mit Gefahren etwa durch Giftstoffe verbunden. Zudem könnten besonders fragile Knochen wie Schädel kleiner Vögel beschädigt werden.

Eine schonendere und beliebte Methode zur Reinigung der Skelette seien Speckkäfer. Doch hier bestehe eine andere Gefahr: Wenn die Tiere innerhalb der Museumsgebäude entwischten, könnten selbst wenige entflohene Käfer wissenschaftliche Sammlungen und Ausstellungen gefährden, unbemerkt Eier ablegen und die dort aufbewahrten Präparate zerstören.

Verglichen damit sehen die Forschenden bei den Schwarzkäferlarven deutliche Vorteile: Mit ihren stärkeren Mundwerkzeugen und ihrem längeren Larvenstadium könnten sie schneller und effizienter Knochen entfleischen. Würden die Tiere in großen Gruppen gehalten, werde ferner deren Verpuppung gehemmt, sodass kaum erwachsene Käfer entstünden. Und selbst wenn: Adulte Schwarzkäfer sind weniger mobil als Speckkäfer – und fressen außerdem nur selten Haut, Fell oder Federn.

Zur Abwechslung vegetarische Kost

Die Larven verringerten das Risiko, dass wertvolle Museumsexemplare beschädigt würden, erheblich und machten den Präparationsprozess effizienter, erklärte Biologin Niloofar Alaei Kakhki vom Naturkundemuseum Stuttgart. »Diese Kombination aus Schnelligkeit, Nachhaltigkeit und Sicherheit macht die ›Superwürmer‹ zu einem vielversprechenden Hilfsmittel für die Erhaltung naturhistorischer Sammlungen.«

Der Große Schwarzkäfer kommt in Mittel- und Südamerika vor. Seine Larven seien aufgrund ihres hohen Proteingehalts auch hierzulande beliebte Futtertiere etwa für Reptilien, also gut im Handel verfügbar. Sie ließen sich zudem leicht halten.

Mit Blick auf die Gesundheit der Larven empfiehlt das Autorenteam übrigens, den Tieren nach jeder Skelettreinigung pflanzliche Nahrung wie Obst- oder Gemüseschalen zu kredenzen. In erster Linie seien die Larven Pflanzenfresser, könnten aber auch tierisches Gewebe verdauen. »Unsere Beobachtungen deuten jedoch darauf hin, dass eine längere Fütterung mit Fleisch ihren Häutungsprozess stören oder die Sterblichkeitsrate erhöhen könnte.«

lki/dpa

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