Spur der Doppeldecker - DER SPIEGEL
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Wissenschaft + Technik Spur der Doppeldecker

Polen und Deutschland verhandeln über die Rückgabe von Oldtimer-Flugzeugen aus der Vorkriegszeit.
• aus DER SPIEGEL 40/2001
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Die Deutsche Luftfahrt Sammlung (DLS) in Berlin-Moabit bot aeronautische Spitzenware. Spähkörbe aus Kriegszeppelinen baumelten unter der Glasdecke. Im Magazin schwamm - in Spiritus - eine Hundeschnauze, die in einen Propeller geraten war.

Auf einer Fläche von zwei Fußballfeldern standen 100 Maschinen, darunter Holzgleiter von Otto Lilienthal und eine Jagdmaschine des »roten Barons« Freiherr von Richthofen.

1936 wurde die Schau eingeweiht. Zu den schrillsten Exponaten gehörte eine Baumwollrolle, die wie ein Schlafsack aussah. Es war der Fallschirm von Käte Paulus. Mit Stöckelschuhen und Pumphosen hatte sich die Akrobatin im Jahr 1893 über Nürnberg in 1600 Meter Höhe aus einem Gasballon gestürzt.

Als die Bombenangriffe auf Berlin zunahmen, entschied sich die DLS-Direktion zur Auslagerung. Helfer rollten die Flug-Oldies in Pommern in Abstellschuppen. Dann rückte die Rote Armee an. Seitdem galten die Flugzeuge als verschollen.

1982 tat sich eine Spur auf. Der Technik-Fahnder Holger Steinle reiste inkognito in Polen ein. In Krakau wurde er fündig. Abgeschirmt in einem Depot standen 23 Maschinen aus der alten DLS-Sammlung. Dieses Gerät ist Gegenstand von Verhandlungen, die Tono Eitel, 68, im Auftrag des Auswärtigen Amtes führt. Der Pensionär aus Münster, ehemals Uno-Botschafter, soll die Schätze zurück nach Deutschland holen. Vergangenen Mittwoch reiste der Diplomat erneut nach Polen.

Der Auftrag ist schwierig. Schon seit 1992 laufen Gespräche über die Rückführung kriegsbedingt verlagerter deutscher Kulturgüter. Betroffen sind auch Archivalien der Preußischen Staatsbibliothek, darunter Handschriften Martin Luthers sowie Noten von Bach und Mozart.

Rund ein Dutzend Mal trafen sich Delegationen - ohne Erfolg. Der Grund: Polen beharrt auf dem »Territorialprinzip«, wonach alle in Pommern und Schlesien entstandenen Kulturgüter an den Ort ihres Ursprungs zurückgeführt werden sollen.

Verärgert ist das Bundesinnenministerium vor allem über den polnischen Delegationschef Wojciech Kowalski. Der Professor, heißt es, sei ein »Betonkopf«, der an einer Einigung überhaupt nicht interessiert sei.

Doch Diplomat Eitel hat nun offensichtlich Wunder gewirkt. Seit Anfang letzten Jahres schon antichambriert er in polnischen Regierungskreisen. Und er macht Hoffnung: »Wir stehen vor konkreten Ergebnissen.«

Angestrebt werde »eine Art Kuhhandel«, wie Eitel vergangene Woche durchblicken ließ. Im Falle einer Rückgabe der Flugzeuge soll der Nachbarstaat »finanzielle Beihilfen« erhalten. Auch »archäologische Schätze, die in deutschen Museen lagern«, seien als Tauschobjekte im Gespräch. Es handelt sich dabei um slawische Funde, die aus der Zeit vor 1000 stammen, als die Ordensritter noch nicht über die Elbe marschiert waren.

Die Luftfahrt-Fans in Berlin können also weiter hoffen: Holzflitzer, Höhenflugzeuge und mit Rizinusöl betankte Doppeldecker gammeln in Krakau. In dem Depot steht die AEG Eule, ein Lufthobel mit Vogelschwingen, und auch jene legendäre Messerschmitt Me 209, die im März 1939 im Luftraum bei Augsburg einen Tempo-Weltrekord (755 km/h) aufstellte.

Kein Unbefugter darf das Depot betreten. Patina und Staub überziehen die Metallgerippe. Doch Eitel ist optimistisch. »Bis zum Jahresende« rechnet der Diplomat mit einer Einigung: »Polen strebt in die EU - das Land ist jetzt bereit für konkrete und völkerrechtlich verbindliche Gespräche.«

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