Amerika-Querung Solarflieger meistert erste Etappe
Amerika-Querung: Solarflieger meistert erste Etappe
Foto: REUTERSPhoenix - Der Pilot war noch ganz berauscht, als er das Cockpit verließ: "Das kommt mir vor wie ein Traum", sagte Bertrand Piccard nach der Landung auf dem Phoenix International Airport im US-Bundesstaat Arizona. 18 Stunden und 18 Minuten zuvor war er mit seinem Flugzeug "Solar Impulse" im kalifornischen Mountain View gestartet. In mehreren Etappen will er von der West- zur Ostküste fliegen - angetrieben allein von der Energie der Sonne.
Flugzeug "Solar Impulse": Quer durch Amerika
Die einsitzige "Solar Impulse" hat mit 64 Metern die Spannweite einer Boeing 777 und ist mit 12.000 Solarzellen bestückt. Angetrieben wird sie von vier Elektromotoren. Das Flugzeug hat eine Masse von 1600 Kilogramm und erreicht eine Geschwindigkeit von etwa 70 Stundenkilometern. Die Entwicklung des Solarfliegers hat Piccard und seine Mitarbeiter zehn Jahre lang beschäftigt. 2010 hob die "Solar Impulse" zum ersten Testflug ab. Die Maschine ist danach unter anderem von Europa nach Afrika und zurück geflogen - langfristiges Ziel ist eine Weltumrundung.
Der letzte Teil des Flugs von Kalifornien nach Arizona fiel in die Nacht - bei der Landung in Phoenix am frühen Samstagmorgen (Ortszeit) waren die Batterien aber trotzdem noch zu einem Viertel gefüllt. Piccard geht es bei seiner Amerika-Querung vor allem um eine Demonstration der technischen Möglichkeiten: "Wenn ein Flugzeug tagsüber oder nachts ohne Treibstoff fliegen kann, zeigt das, dass wir diese Technologie auch im Alltag nutzen können - zum Heizen, Kühlen, für die Beleuchtung und in Autos."
Von Phoenix geht es weiter zum Flughafen Dallas/ Fort Worth in Texas, danach zum Lambert-Saint Louis International Airport (Missouri), zum Dulles Airport (Virginia) und schließlich nach New York zum John F. Kennedy Airport. Piccard wird nicht bei jeder Etappe im Cockpit sitzen, sondern sich mit dem Piloten und Mitentwickler André Borschberg abwechseln. Borschberg hofft darauf, die letzte Etappe nach New York fliegen zu können und dabei auch die Freiheitsstatue zu passieren.
Wegen des geringen Gewichts kann "Solar Impulse" bei schlechtem Wetter nicht fliegen - insbesondere starke Winde sind problematisch. Um die Solarzellen tagsüber optimal zu nutzen, steigt der Flieger bis auf etwa 8200 Meter auf. An jedem Etappenort planen Piccard und Borschberg mehrtägige Pausen, um vor Ort für ihr Projekt zu werben und um auf optimale Flugbedingungen zu warten. Die Schweizer gehen davon aus, etwa in zwei Monaten in New York anzukommen.