Asse Atomlager wird mit neuen Messgeräten überwacht
Bergmann in der Schachtanlage Asse: "Endlich vorankommen"
Foto: dapdRemlingen - So richtig kommt die Sanierung des maroden Atommülllagers Asse in Niedersachsen nicht voran. Das Bundesamt für Strahlenschutz (BfS) will nun in der Umgebung des Bergwerks drei weitere Messstellen für Radioaktivität einrichten. Sie sollen östlich der Asse in einem Zehn-Kilometer-Radius eingerichtet werden, sagte eine Behördensprecherin. Die Zahl der Messpunkte steigt damit auf insgesamt 28.
Zuletzt hatte das BfS drei neue Messstellen westlich der Asse in Betrieb genommen. Umweltschützer hatten sich gewundert, dass dort die bislang meisten Messpunkte liegen, obwohl der Wind meistens aus Westen weht.
Die installierten Sonden ermitteln die Gamma-Ortsdosisleistung, also jene Strahlung von natürlichen radioaktiven Stoffen aus dem Boden sowie von Höhenstrahlung aus dem Weltraum. Sollte sich die Strahlenbelastung bei einem Unfall in der Asse erhöhen, würden die Sonden dies erfassen und Alarm auslösen.
Der Atommüll in der Asse - 126.000 Behälter mit schwach- und mittelradioaktivem Abfall - stammt aus den Jahren zwischen 1965 und 1978. Damals war das Bergwerk offiziell als Forschungsstandort betrieben worden. Weil die Standsicherheit der Grube durch unkontrollierten Wasserzufluss nicht gewährleistet ist, soll der eingelagerte Strahlenmüll eigentlich in den kommenden Jahren wieder herausgeholt werden. Das Milliardenprojekt verzögert sich aber immer wieder. Das BfS rechnet damit, dass die Bergung des Mülls mindestens zehn Jahre dauern wird.
SPD-Chef Sigmar Gabriel hat deswegen zuletzt den politischen Druck auf die Regierungen in Berlin und Hannover erhöht. Bundesumweltminister Norbert Röttgen (CDU) und sein niedersächsischer Amtskollege Hans-Heinrich Sander (FDP) müssten die Bergung der radioaktiven Abfälle aus der Asse zur Chefsache machen, so Gabriel: "Ich fordere die beiden auf, sofort eine Task-Force einzurichten, um hier endlich voranzukommen." Der Termin zum Anbohren einer ersten Kammer mit Atommüll hatte sich immer weiter verzögert.
Aus Respekt vor seinem Amtsnachfolger Röttgen habe er sich zwei Jahre mit Kritik an dessen Arbeit zurückgehalten, sagte Gabriel. Damit sei jetzt Schluss. Das Nichthandeln von Herrn Röttgen sei unverantwortlich. Gabriel will die Asse Anfang Januar besuchen. Das Bergwerk liegt im Wahlkreis des Politikers.
Das Bundesumweltministerium argumentiert, es gebe "noch offene Punkte, die die Realisierbarkeit schwieriger als geplant gestalten und sogar in Frage stellen könnten." Kritisch sei unter anderem der Zustand der Einlagerungskammern und der Abfallfässer sowie die Menge und Zusammensetzung des radioaktiven und chemischen Inventars, heißt es in einem Sachstandsbericht des Ministeriums an Bundestagsabgeordnete.