Autonome Autos: Knight Rider in Berlin - DER SPIEGEL
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Autonome Autos Knight Rider in Berlin

Wozu eigentlich noch selbst steuern? Ein Berliner Professor arbeitet daran, Autos zu Chauffeuren zu machen - ganz nach Vorbild des Superautos K.I.T.T. aus der Serie "Knight Rider". Bis es soweit ist, wird man künftig aber erst einmal mit dem iPhone steuern - oder sogar nur mit den Augen.
Von Felix Rettberg
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Wasserstoff, Gas, Elektro? - über die Autoantriebe der Zukunft lässt er getrost die Kollegen grübeln, lässt sie tüfteln, lässt sie testen. "Grüne Autos" sind für Raúl Rojas ohnehin vor allem die, die niemand mehr besitzen, die man nur noch rufen muss: fahrerlose Taxis.

So stellt sich der Professor für Künstliche Intelligenz an der Freien Universität Berlin die Verkehrswelt in einigen Jahrzehnten vor: Hupen, Drängeln, Rasen, waghalsige Überholmanöver, Betrunkene hinterm Lenkrad - all das wird es nicht mehr geben. Selbst die Suche nach Parkplätzen wird überflüssig.

In seiner "Autopie" ist jeder Mensch nur noch Fahrgast statt Fahrer, wird selbst kein Lenkrad mehr berühren, kein Gas mehr treten. Der Computer ist der Chauffeur. Der Mensch, das mal genervte, mal abgelenkte, mal müde Wesen, macht dann keine Fehler mehr. Weil es nichts mehr tun muss und sich auf längst bewährte Technik verlassen kann. Für Raúl Rojas gehört die Zukunft dem autonomen Auto.

"Da wird sich jeder nur noch fragen: Warum gab's das nicht schon früher?"

Das beschleunigt, bremst und blinkt dann ganz von selbst. Es entscheidet, wann es die Spur wechselt, anderen die Vorfahrt lässt, wann es an den Fahrbahnrand zum Aussteigen ausschert - ohne dabei mit anderen Autos oder Fußgängern zu kollidieren. Denn alle autonomen Fahrzeuge reagieren aufeinander, sie registrieren, wer oder was wo steht, was sich rundherum noch bewegt, besser als jeder Mensch es könnte: ein Überblick von 360 Grad.

Der "grüne" Effekt dieser Autopie, dieser Mobilität durch fahrerlose Taxis: Die Zahl an Fahrzeugen lasse sich erheblich reduzieren, um mindestens die Hälfte, so glaubt Rojas. "Schauen Sie sich doch an, wie viele Autos heute geparkt einfach nur rumstehen. Wenn es erst einmal ein dichtes Verkehrsnetz aus Bahnen und solchen fahrerlosen Taxis gibt, die natürlich auch individuelle Ziele ansteuern können, wird niemand mehr sein eigenes Auto vermissen. Da wird sich jeder nur noch fragen: Warum gab's das nicht schon früher?"

Allerdings kann es noch dauern, bis es soweit ist. Hundert Jahre, so schätzt Rojas. Dann erst seien Technologie und Infrastruktur so weit und die Sehnsucht nach dem eigenen Auto allen ganz vergangen.

Um das Warten zu verkürzen, arbeitet der Professor mit seinem Forscherteam seit 2006 intensiv daran, dass seine Verkehrsvision keine Science-Fiction bleibt, dass jeder sich möglichst bald ein bisschen wie David Hasselhoff fühlen kann. In den achtziger Jahren spielte der den Helden der amerikanischen TV-Serie "Knight Rider". Hasselhoff alias Michael Knight musste nur rufen, und schon rollte oder raste "K.I.T.T." heran, sein schwarzer Sportwagen mit dem denkenden Computergehirn.

So weit wollen und können es die Berliner Forscher erst einmal nicht treiben. Die Mathematiker und Informatiker arbeiten derzeit vielmehr noch daran, endlich vom Rollfeld des alten Berliner Flughafens Tempelhof herunterzukommen. Hier liegt das Testgelände, auf dem ihr Auto die Spur halten soll. Ihr Prototyp ist noch weit von dem geschmeidigen "K.I.T.T." entfernt. Die Technik, die Rechner füllen den Kofferraum des Vans, des "Spirit of Berlin", voll aus.

Nach dem iDrive kommt der Eye-Drive

Auf dem Dach, an den Stoßstangen, an den Seiten - außen ist das Fahrzeug mit diversen Sensoren, mit Laserscannern und Kameras ausgestattet. Mit ihnen bekommt der "Spirit of Berlin" die Augen, die das Hirn, der Computer, braucht, um sich zu entscheiden. Navigationssysteme liefern zusätzliche Daten, damit der Computer weiß, wo sich das Auto gerade befindet. Motoren an Lenkrad und Gaspedal führen die Steuerbefehle aus.

Erste Erfolge haben die Forscher und Entwickler bereits vorzuweisen: Im "vollautonomen Modus" fährt das Auto geradeaus, biegt sauber ab, fährt schneller oder langsamer. Wirft der Professor einen großen schwarzen Würfel oder traut sich sogar selbst auf die Fahrbahn, bremst das Auto ab. Selbst das iPhone haben Rojas Teamkollegen Tinosch Ganjineh und Miao Wang vor einigen Monaten schon zu einer Fernsteuerung für den "Spirit of Berlin" gemacht.

Aber die Forscher arbeiten neben dem iDrive auch am Eye-Drive - mit dieser Software soll man das Auto sogar mit den Augen lenken können. Wohin sich die Pupille bewegt, dahin fährt das Auto. Das macht jede Fahrt zu einer Ruckeltour. Jede Bewegung der Auges reißt das Lenkrad mit. Kaum ein Mensch kann so lange starr geradeaus sehen. "Eine solche Software könnte, in Verbindung mit der autonomen Steuerung des Autos, einmal nützlich sein, Menschen mit Behinderungen das Autofahren zu ermöglichen", sagt Ganjineh.

Geht es nach Professor Raúl Rojas, liegt der Einsatz autonomer Fahrzeuge gar nicht mehr so fern in der Zukunft. "Zunächst könnte man sie als Shuttles einsetzen, zum Beispiel auf Flughäfen oder in Nationalparks. In 20 Jahren sollte es schon möglich sein, dass die ersten autonomen Autos auf der Autobahn unterwegs sind, in 30 bis 40 Jahren dann in der Stadt."

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