737-Max-Unglück in Äthiopien Problem-Software war beim Absturz eingeschaltet
Die Boeing 737 Max bleibt weiter am Boden
Foto: Mark Ralston / AFPBei der Auswertung der Blackbox der verunglückten Boeing 737 Max von Ethiopian Airlines gibt es offenbar ein erstes Zwischenergebnis. Demnach war das umstrittene MCAS-System angeschaltet, als das Flugzeug auf die Erde schlug. Das berichtet das "Wall Street Journal" unter Berufung auf Expertenkreise. Die Anti-Stall-Einrichtung wird auch für den Absturz einer Lion-Air-Boeing in Indonesien im Oktober 2018 verantwortlich gemacht.
MCAS soll eigentlich verhindern, dass Piloten die Nase des Flugzeugs unabsichtlich so hochziehen, dass es zu einem gefährlichen Strömungsabriss an den Flügeln kommt. Steigt das Flugzeug zu steil, greift die Technik selbstständig in die Höhensteuerung ein und senkt die Nase ab.
Es besteht der Verdacht, dass das System sowohl die im März verunglückte Ethiopian-Airlines-Maschine als auch die Lion-Air-Boeing gegen den Willen der Piloten immer wieder nach unten drückte. Bei den beiden Abstürzen starben insgesamt 346 Menschen. Offiziell soll der erste Zwischenbericht zur Blackbox-Auswertung kommende Woche erscheinen, berichtet die Nachrichtenagentur Reuters.
Boeing hat bereits angekündigt, das MCAS-System anpassen zu wollen. Ein Softwareupdate soll verhindern, dass das System die Flugzeugnase immer und immer wieder nach unten drückt und damit gegen die Befehle der Piloten arbeitet. Zudem will das Unternehmen eine optionale Sicherheitsfunktion, die zuvor nur gegen Aufpreis erhältlich war, nun serienmäßig anbieten.
Angehörige eines Todesopfers in Äthiopien haben Boeing inzwischen verklagt. Sie werfen Boeing vor, das automatisierte Flugsteuerungssystem fehlerhaft entworfen zu haben.
Behörden kannten MCAS-Probleme offenbar seit Jahren
Diskutiert wird im Zusammenhang mit den beiden Abstürzen auch, ob das Training, das Boeing Piloten der 737 Max zur Verfügung stellt, ausreicht. Behörden in den USA untersuchen derzeit den Zulassungsprozess, den die Flugzeuge vor dem ersten Start mit Passagieren durchlaufen müssen. Es besteht der Verdacht, dass Boeing Einfluss auf die Ergebnisse hat.
Reuters berichtet zudem, dass sowohl amerikanische als auch europäische Behörden bereits mindestens zwei Jahre vor dem Absturz der Lion-Air-Maschine von Problemen mit MCAS gewusst hätten. Ihnen sei bekannt gewesen, dass das System in bestimmten Situationen versagen könnte. Die Nachrichtenagentur beruft sich auf ein Dokument der Europäischen Agentur für Flugsicherheit (Easa).
Die Easa hat das Flugzeug demnach zugelassen, weil sie davon ausging, dass das vorgeschriebene Training den Piloten klarmachen würde, wie sie die Automatik abschalten können. Vor dem Absturz der Lion-Air-Maschine fehlte ein entsprechender Hinweis jedoch im Handbuch der Boeing 737 Max.
Nach dem Unglück in Indonesien veröffentlichte Boeing schließlich eine entsprechende Handreichung, die in allen fraglichen Maschinen ausgelegt werden musste. Das warf zuletzt auch die Frage auf, inwiefern die Piloten des verunglückten Ethiopian-Airlines-Fluges eine Mitschuld am Absturz tragen (mehr dazu lesen Sie hier).
In vielen Staaten muss die Boeing 737 Max derzeit am Boden bleiben, auch in Europa und den USA. Flüge ohne Passagiere sind jedoch erlaubt.