Geplante Bergung: Do-17 im Ärmelkanal
Wrack im Ärmelkanal Briten wollen deutschen Weltkriegsbomber bergen
Hamburg/London - Ein gut erhaltener deutscher Bomber der Luftwaffe aus dem Zweiten Weltkrieg soll vom Grund des Ärmelkanals geborgen werden. Das Museum der Royal Air Force in London möchte das Flugzeug in etwa drei Wochen heben und später ausstellen. Noch sei aber unklar, ob die Bergung gelingen werde, sagt Museumsdirektor Peter Dye. "Es gibt keine Erfolgsgarantie."
Der deutsche Bomber wurde 1940 über dem Ärmelkanal abgeschossen. Sonarbilder hatten gezeigt, dass die Dornier Do-17 bis heute nahezu unversehrt ist. Das Wrack liegt im Gebiet Goodwin Sands nahe der Küste der Grafschaft Kent; es wurde 2008 entdeckt.
Die Do-17, in der zwei Männer starben, soll neben einem britischen Flugzeugwrack aus dem Zweiten Weltkrieg ausgestellt werden. "Die Männer starben alle fast genau zur gleichen Zeit", sagt Dye.
Sein schlanker Rumpf brachte dem Flugzeug den Spitznamen "fliegender Bleistift" ein - was verniedlichend klingt angesichts der Zerstörung, die die Dornier Do-17 über die Zivilbevölkerung in Ländern wie Polen, Frankreich und England brachte. Rund 2000 Exemplare des zweimotorigen Bombers wurden für die Luftwaffe produziert, zu besichtigen ist heute kein einziges mehr.
Maschine droht zu zerbrechen
Die Bergung werde nicht ungefährlich, erklärt Dye. Vergleichbare Aktionen seien misslungen. Taucher könnten immer nur 45 Minuten am Stück arbeiten. Wenn es gelänge das Flugzeug aus dem Wasser zu heben, begännen die größten Schwierigkeiten erst, sagt Dye: Die Maschine drohe auseinanderzubrechen. Niemand wisse, wie stabil sie sei.
Die Sonarbilder hatten gezeigt, dass die Dornier nach dem Aufschlag auf dem Wasser kopfüber auf etwa 15 Meter Tiefe gesunken sein muss. Das Flugzeug habe beim Absturz offenbar nur geringe Schäden am Bug erlitten. Der Bombenschacht sei offen, berichteten Forscher. Das deute darauf hin, dass die Besatzung vor dem Crash die Ladung abgeworfen hat. Zwei Besatzungsmitglieder starben bei dem Aufprall. Die beiden anderen, darunter der Pilot, überlebten den Krieg als Gefangene.
Den verblüffend guten Zustand des Flugzeugs führen die Experten darauf zurück, dass die Do-17 nahezu komplett aus Aluminium bestand und stabil gebaut war. Allerdings könne der wandernde Sand am Meeresboden das Wrack weiter beschädigt haben. Zudem sei es inzwischen ein beliebtes Ziel für Sporttaucher, die auf der Jagd nach Souvenirs seien.
Die Do-17 wurde 1937 bei der Luftwaffe als schneller Bomber eingeführt. Sie wurde während des gesamten Zweiten Weltkriegs genutzt, ab 1940 allerdings zunehmend durch moderne Typen wie die Heinkel He-111 und Junkers Ju-88 ersetzt, die über größere Bombenzuladungen und Reichweiten verfügten. Dennoch wurde die Do-17 noch bis 1952 von der finnischen Luftwaffe eingesetzt.