Probleme bei der Flugsicherung Das steckt hinter der Software-Panne
Fluglotse bei der Arbeit mit klassischen Kontrollstreifen
Foto: Oliver Berg / DPAWer dieser Tage auf seiner Reise am Flughafen in Frankfurt Station machen möchte, der kann unangenehme Überraschungen erleben. Schon am Montagmorgen war bekannt geworden, dass Flüge gestrichen werden müssen, die meisten davon bei der Lufthansa. Rund 4500 Passagiere dürften sich gewünscht haben, besser von einem anderen Flughafen zu fliegen.
Im Laufe des Tages fielen noch weitere Verbindungen am größten deutschen Flughafen aus. Bis Mittag waren 68 von rund 1400 geplanten Flugbewegungen gestrichen. Auch für die kommenden Tage gibt es keine Entwarnung. Flugreisende müssen weiter mit Pannen rechnen.
Der Grund dafür liegt nicht bei der Lufthansa und auch nicht beim Frankfurter Flughafen. Verursacher des Problems ist eine Software-Panne bei der Deutschen Flugsicherung (DFS). Die Einrichtung, die mit der Kontrolle des Flugverkehrs in Deutschland beauftragt ist, hat ihren Sitz in Langen, etwa fünf Kilometer vom Flughafen Frankfurt entfernt.
In den Kontrollzentralen der DFS leiten rund 2000 Fluglotsen täglich bis zu 10.000 Flüge durch den deutschen Luftraum. Doch nun musste in der Zentrale der Verkehr aus Sicherheitsgründen auf 75 Prozent begrenzt werden. In München, Bremen und Karlsruhe, den anderen DFS-Stützpunkten, lief dagegen alles reibungslos.
Das Einzugsgebiet von Langen reicht etwa vom Bodensee bis Kassel und von der niederländischen Grenze bis Thüringen. Der Grund für das Problem hier könnte in einem Software-Update aus dem Februar liegen. Konkret geht es um die sogenannten Kontrollstreifen, die es für jeden Flug gibt. Diese sogenannten flight progress strips werden schon lange von Fluglotsen verwendet.
Auf den länglichen Papierstreifen haben sie die wichtigsten Informationen eines ihnen zugeteilten Flugs griffbereit - darunter etwa die Flugnummer, Flugzeugtyp, Zielort, geplante Ankunftszeit und vieles mehr. Der Lotse kann sich mithilfe der kleinen Kärtchen gut auf einen ankommenden Flug vorbereiten und die Flüge so übersichtlich strukturieren. Dafür werden die Kontrollstreifen der Flüge zu einem sogenannten Streifenbild angeordnet.
Touchscreen statt Papier
Wenn der Flug dann den Zuständigkeitsbereich eines Lotsen verlässt, wird auch der Kontrollstreifen an den Kollegen übergeben. Sitzt der in einem anderen Flugsicherungszentrum, geschah das immer noch per Telefon oder Fax. Erst in letzter Zeit setzten sich zunehmend digitale Systeme durch. Skyguide, die Flugsicherung der Schweiz, hat schon 2013 ein elektronisches System eingeführt und ganz auf bedrucktes Papier verzichtet.
Bei der Softwarelösung können die Kontrollstreifen per Touchscreen dargestellt werden. Genau dieses System funktionierte in Langen aufgrund der Störung nicht reibungslos, deshalb wurde der Flugverkehr um 25 Prozent eingeschränkt. Die Techniker der Flugsicherung arbeiteten daran, den Fehler zu beheben, hieß es von der DFS. Immerhin: Die Flugsicherheit sei nicht gefährdet.
Aber die schlechte Nachricht: Noch bis spät in den Mittwoch könnte es zu Ausfällen kommen. Die Flugsicherung hat angekündigt, die problematische Software erst in der Nacht zum Donnerstag austauschen zu wollen.