Auf ihr ruhen große Hoffnungen für den Klimaschutz: In Island hat die weltweit größte Anlage zur Speicherung von CO₂ ihren Betrieb aufgenommen. Jährlich soll sie rund 4000 Tonnen klimaschädliches Kohlenstoffdioxid aus der Luft saugen und auf ewig im Erdboden speichern.
Das Schweizer Unternehmen Climeworks hat die Anlage mit dem Namen Orca – das isländische Wort für Energie – über Jahre entwickelt. In acht Containern saugen Ventilatoren Luft an, die naturgemäß winzige Mengen CO₂ enthält. Die schädlichen Gasmoleküle werden herausgefiltert und gesammelt, anschließend in Wasser gelöst und an geeigneten Stellen in die Erde gepumpt – bis zu 1000 Meter tief.
Jan Wurzbacher, Climeworks:
»Dort wird das CO₂ mit dem Basaltgestein mineralisiert. Es wird buchstäblich zu Stein. Das geschieht innerhalb von zwei Jahren. Es handelt sich also um die sicherste und dauerhafteste Methode zur Entfernung von CO₂ aus der Atmosphäre, die derzeit auf dem Markt erhältlich ist.«
Orca kann unter Volllast im Jahr so viel CO₂ aufsaugen, wie durchschnittlich etwa 870 Autos im Jahr ausstoßen. Gemessen an den 31,5 Milliarden Tonnen jährlichen CO₂-Emissionen weltweit, ist das noch wenig. Und die Technik ist teuer. 10 bis 15 Millionen Dollar hat die Pionieranlage in Island gekostet. Die Betreiber verbannen das Klimagas in den Erdboden im Auftrag von Investoren wie Bill Gates, Microsoft und Audi.
Jan Wurzbacher, Climeworks:
»Wir bieten das als Dienstleistung für Privat- und Firmenkunden an. Wir nennen unsere Kunden Pioniere, Pioniere der Kohlendioxid-Entfernung.«
Die Gewinnung von Kohlenstoffdioxid aus der Luft wird von Wissenschaftlern als entscheidend angesehen, um die Erderwärmung zu begrenzen – aber auch immer wieder kritisiert. Die sogenannten Direct-Air-Capture-Technologien sind noch teuer und noch nicht weit genug verbreitet. Nach Angaben der Internationalen Energieagentur sind derzeit 15 dieser Anlagen weltweit in Betrieb. Insgesamt speichern sie etwa 9.000 Tonnen CO₂ pro Jahr.
Die Orca-Betreiber sind von ihrer Technologie überzeugt. Sie arbeiten bereits an einer zehnmal größeren Anlage.
Jan Wurzbacher, Climeworks:
»Es besteht großes Interesse. Durch die neuen Kunden können wir, was am wichtigsten ist, unsere Entwicklung anziehen, mehr Leute einstellen, Investitionen beschleunigen. Das wird uns helfen, unsere Maßstäbe zu vergrößern, also in einem ersten Schritt eine Million Tonnen pro Jahr zu erreichen. Und schließlich müssen wir, wie uns die Klimawissenschaft lehrt, gegen Ende des Jahrhunderts auf Milliarden Tonnen CO₂-Entfernung pro Jahr kommen.«
Der Strom für Orca in Island wird von einem Geothermiekraftwerk generiert – klimaneutral. Das ist eine essentielle Voraussetzung, damit Technologien wie in Island tatsächlich einen Beitrag zur Begrenzung der Erderwärmung leisten können.