Luftfahrt: Wie der Klimawandel den Flugverkehr einschränken könnte
Klimawandel und Luftverkehr Wenn es zu heiß wird zum Starten
Manchmal, so scheint es, ist die Realität einfach schneller als die Wissenschaft. Da gibt es diese Geschichte vom "Sky Harbor"-Flughafen der US-Großstadt Phoenix (US-Bundesstaat Arizona). Dort musste die Fluggesellschaft American Airlines Ende Juni mehr als 40 Flüge streichen - weil kleinere Canadair Regional Jets bei Temperaturen von fast 50 Grad nicht mehr starten konnten. Es war nicht das erste Mal.
Wissenschaftler prophezeien nun, dass sich solche Vorfälle in Zukunft häufen könnten. Die durch den Klimawandel steigenden Temperaturen könnten demnach in den kommenden Jahrzehnten den Luftverkehr weltweit erheblich einschränken, schreiben Ethan Coffel von der Columbia University in New York und seine Kollegen im Fachmagzin "Climatic Change" .
Das liegt daran, dass sich die Bedingungen häufen könnten, unter denen Flugzeuge eines bestimmten Gewichts nicht mehr abheben können oder dürfen. Für jeden Flughafen gibt es spezifische Vorgaben.
Der - einigermaßen vereinfachte - Hintergrund: Wärmere Luft dehnt sich aus, ihre Dichte nimmt ab. Das bedeutet: weniger Auftrieb an den Flügeln der Jets. Um trotzdem abheben zu können, müssen Flugzeuge unter diesen Bedingungen schneller sein. Dafür wiederum bräuchten sie längere Rollbahnen. Wo sie fehlen, müssen sie am Boden bleiben.
Die Startbedingungen hängen natürlich auch davon ab, wie hoch der jeweilige Flughafen über dem Meer liegt. Denn im Gebirge ist die Luft schließlich dünner. Auch die Startgeschwindigkeit lässt sich nicht beliebig steigern - weil irgendwann die Reifen der Jets an ihre Grenzen stoßen.
"Nicht unbedeutende Kosten"
Über Startprobleme bei hohen Temperaturen wird schon länger diskutiert. Coffel und Kollegen haben dazu auch bereits veröffentlicht . Größere Jets, das als Daumenregel, kommen mit Hitze etwas besser klar als kleinere. Das erklärt, warum es Flüge von und nach Dubai, Doha oder Kairo gibt. (Eine Zusammenfassung, warum höhere Temperaturen nicht der einzige Faktor sind, gibt es hier .)
Coffel und Kollegen argumentieren so: Die Forscher gehen davon aus, dass die Höchsttemperaturen an Flughäfen bei gleichbleibender Menge der Treibhausgas-Emissionen bis zum Jahr 2080 um vier bis acht Grad Celsius steigen werden. Dann müssten etwa 10 bis 30 Prozent aller vollbesetzten Flugzeuge in den heißesten Stunden des Tages entweder Treibstoff, Passagiere oder Ladung entfernen oder aber auf Abkühlung warten, um loszufliegen.
Dies hänge unter anderem von Flugzeugtyp und Länge der Startbahn ab. Rund vier Prozent Gewicht müssten bei manchen Flugzeugtypen an heißen Tagen entfernt werden, das wären bei 160 Plätzen 12 bis 13 Passagiere. Dadurch entstünden "nicht unbedeutende Kosten", so die Forscher.
"Weil die Welt sich immer mehr vernetzt und die Luftfahrt zunimmt, könnte das möglicherweise lawinenartige Auswirkungen haben, wirtschaftliche und sonstige", sagt Co-Autor Radley Horton vom Goddard Institute for Space Studies der US-Weltraumbehörde Nasa. Besonders betroffen wären in den USA Flughäfen in Phoenix, Dallas, Denver, New York und Washington, zudem weitere in Europa, China, Südasien und dem Nahen Osten.
Der Klimawandel hat wahrscheinlich noch weitere Folgen für die Luftfahrt. Forscher befürchten auch Veränderungen globaler Windsysteme, wodurch zum Beispiel Transatlantikflüge länger dauern und unruhiger werden könnten.