Knappe Ressourcen: EU will eigene Rohstoffschätze heben - DER SPIEGEL
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Knappe Ressourcen EU will eigene Rohstoffschätze heben

Rohstoffengpässe können das Wachstum Westeuropas bedrohen, deswegen startet die EU jetzt eine Initiative gegen die Knappheit. Die Kommission will eigene Bodenschätze in großen Tiefen anzapfen. Außerdem soll Elektroschrott besser wiederverwertet werden.
Schmelzofen für Vanadium in Aue: Verborgene Schätze
Schmelzofen für Vanadium in Aue: Verborgene Schätze

Schmelzofen für Vanadium in Aue: Verborgene Schätze

Foto: dapd
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Hamburg/Brüssel - Metalle werden knapp und teuer. Im Kampf um die begehrten Rohstoffe will die EU künftig nun verstärkt eigene Quellen in Europa anzapfen. Im Boden der EU-Staaten lagerten nicht ausgeschöpfte Schätze im Wert von rund hundert Milliarden Euro, erklärte EU-Industriekommissar Antonio Tajani am Mittwoch in Brüssel. Auch die rund 17 Kilogramm Elektroschrott, die pro Kopf im Jahr anfallen, sollen besser verwertet werden.

Die neue Strategie der EU wurde bereits im Herbst bekannt, nun soll sie umgesetzt werden: Die Kommission werde deshalb am Mittwoch eine Partnerschaft von Unternehmen, Mitgliedstaaten und Forschern ins Leben rufen. "Wir wollen eine Rohstoff-Offensive einleiten", sagt der Berichterstatter für Rohstoffe im Europäischen Parlament, Reinhard Bütikofer von den Grünen. Das Experten-Netzwerk soll Strategien für die Beschaffung der Metalle und deren Recycling entwickeln.

Schätzungen zufolge lagerten in Europa Rohstoffe im Wert von etwa hundert Milliarden Euro in Tiefen von 500 bis 1000 Metern. Neue Technologien sollten helfen, diese in größeren Tiefen und unter schwierigen Bedingungen abbauen zu können, teilte die EU-Kommission in Brüssel mit.

"Wir müssen unsere Kräfte bündeln, um Europas enormes Potential an Rohstoffen auszuschöpfen", sagte EU-Industriekommissar Antonio Tajani. Für die Initiative stünden 90 Millionen Euro im Jahr ab 2014 an EU-Mitteln bereit. Deutschland hat von den 27 EU-Staaten den größten Bedarf, viele unverzichtbare metallische Rohstoffe müssen zu 100 Prozent importiert werden.

Neues Konzept der Bundesregierung

Auch das Bundeskabinett hat heute ein "Ressourcen-Effizienzprogramm" (ProgRess) beschlossen. "Ziel ist es, durch Marktanreize, Forschung und Innovation und durch Beratung die Rohstroffproduktivität der deutschen Wirtschaft zu steigern", teilte das Bundesumweltministerium (BMU) mit. Bundesumweltminister Norbert Röttgen (CDU) bezeichnete das Programm als einen "Masterplan für nachhaltiges Wachstum". Als Beispiele für das Programm nannte das BMU die Beratung von kleinen und mittleren Unternehmen in Sachen Ressourceneffizienz und den Ausbau der Recycling-Wirtschaft.

Auch der Hausmüll gerät nun in den Fokus: Nach Angaben der EU-Kommission produziert jeder EU-Bürger im Durchschnitt pro Jahr 17 Kilogramm Elektroschrott. Bis 2020 werde diese Zahl auf 24 Kilogramm steigen. Diese Ressourcen müssten besser genutzt werden, fordert Bütikofer.

Vor allem geht es dabei um die sogenannten Seltenen Erden. Das sind spezielle Metalle, die für viele Hightech-Produkte benötigt werden. China ist in diesem Markt das dominierende Lieferland. Doch die Volksrepublik hat den Export eingeschränkt, der Preis für die Metalle hat sich in den letzten Jahren dramatisch erhöht.

Allianz der Konzerne

Die wirtschaftlich aufstrebende Volksrepublik ist aber auch einer der größten Konkurrenten der deutschen Wirtschaft um Rohstoffe rund um den Erdball. Ein Dutzend deutsche Industriekonzerne haben unter dem Dach des Bundesverbandes der Deutschen Industrie deshalb kürzlich eine "Allianz zur Rohstoffsicherung" gegründet.

Ziel der Allianz ist der Aufbau von Beteiligungen an Rohstoffprojekten, vornehmlich im Ausland, um die Versorgung der deutschen Industrie mit solchen Stoffen sicherzustellen. Beteiligt sind etwa die Chemiekonzerne BASF und Bayer oder die Autobauer BMW und Daimler.

Die Bundesregierung unterstützt die Aktivitäten der deutschen Industrie bereits seit zwei Jahren mit einer eigenen Rohstoffstrategie. Sie will Unternehmen dabei unterstützen, die kostbaren Metalle aufzutreiben: Beispielsweise will die Regierung Kontakte herstellen, politisch vermitteln und Investitionen mit staatlichen Kreditgarantien absichern. Sie hat aber auch betont, es sei vorrangig Sache der Wirtschaft, die Versorgung mit Rohstoffen sicherzustellen.

boj/Reuters/dpa