Fukushima: Neue Panne im Kühlsystem
Atomruine Fukushima Tepco schaltet ein Kühlsystem ab
Tokio - Nach einem Alarm in der Atomruine Fukushima kam am Dienstag das Kühlsystem für das Abklingbecken Nummer 4 zum Stillstand. Der Grund dafür war ein durchtrenntes Kabel, wie der Betreiberkonzern Tepco bekanntgab. Arbeiter hatten am Morgen das Kabel beschädigt. Die Arbeiten zur Auslagerung von Brennstäben aus dem Abklingbecken mussten unterbrochen werden. Am Nachmittag (Ortszeit) lief das Kühlsystem wieder.
Der Konzern beschwichtigt: Die Temperatur im Becken sei unter der vorgeschriebenen Grenze von 65 Grad geblieben. Der Betreiber hatte im November damit begonnen, rund 1500 Brennstäbe aus dem Abklingbecken des geschädigten Reaktorgebäudes 4 zu bergen.
Erst in der vergangenen Woche waren aus einem Speichertank auf der Atomanlage mindestens 100 Tonnen radioaktiv verseuchtes Wasser ausgetreten. Die Atomaufsicht warf Tepco daraufhin schlampiges Management vor, wie die Zeitung "Tokyo Shimbun" meldete.
Es handelt sich dabei wohl um das größte Leck, seit im August 2013 rund 300 Tonnen Wasser aus einem anderen Tank geflossen waren. Infolge des schweren Erdbebens und Tsunamis im März 2011 waren drei der sechs Reaktoren im Atomkraftwerk Fukushima zerstört worden, es kam zu Kernschmelzen. Tepco flutet die Anlage mit Wasser, um die überhitzten Reaktoren zu kühlen. An den Speichertanks, in denen jenes verseuchte Wasser gelagert wird, werden immer wieder undichte Stellen entdeckt. Tepco hat angekündigt, alle Reaktoren in Fukushima dauerhaft stillzulegen - also auch die vergleichsweise wenig beschädigten Blöcke 5 und 6.
Die japanische Atomaufsicht hatte die Firma zuletzt kritisiert, weil sie problematische Strahlenwerte zum Isotop Strontium-90 im Grundwasser erst mit massiver Verspätung veröffentlicht hatte - trotz wiederholter Anfragen der Behörden.
Regierung bleibt auf Atomkurs
Ungeachtet der wiederholten Pannen in der Atomruine hält die rechtskonservative Regierung von Ministerpräsident Shinzo Abe auch für die Zukunft an der Atomenergie fest. Atomenergie sei eine wichtige Stromquelle, heißt es in einem am Dienstag veröffentlichten Entwurf für einen langfristigen Energieplan.
Derzeit sind sämtliche der 48 Atomreaktoren in Japan in Folge der Atomkatastrophe in Fukushima außer Betrieb. Als Ersatz für den Atomstrom führt die drittgrößte Volkswirtschaft der Welt seit Jahren riesige Mengen an Öl, Gas und Kohle ein. Als Folge schreibt Japan rote Zahlen in seiner Handels- und Leistungsbilanz.
Um die über gestiegene Energiekosten klagende Industrie zu entlasten, will der Atombefürworter Abe schnell die ersten Meiler wieder in Betrieb nehmen. Die Atomaufsichtsbehörde prüft bereits Anträge zur Bescheinigung der Sicherheit für den Neustart von 17 Reaktoren.