Schweizer Forscher sieht Human Brain Project in Gefahr - DER SPIEGEL
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Schweiz nach Volksabstimmung Forscher sieht Human Brain Project in Gefahr

Die Schweizer wollen die Einwanderung beschränken - nun fürchten Wissenschaftler das Aus für EU-Forschungsvorhaben in ihrem Land. Prominentestes Opfer könnte das Human Brain Project werden, das von Lausanne aus koordiniert wird.
Hirnforscher Markram: "Ohne die Schweiz stirbt das Human Brain Project"
Hirnforscher Markram: "Ohne die Schweiz stirbt das Human Brain Project"

Hirnforscher Markram: "Ohne die Schweiz stirbt das Human Brain Project"

Foto: DENIS BALIBOUSE/ REUTERS
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Hamburg - Vor einem Jahr hatte die EU über die Verteilung des Forschungsjackpots entschieden - nun sorgen sich Wissenschaftler in der Schweiz um die Zukunft des Human Brain Projects . Mit bis zu einer Milliarde Euro will die EU das Vorhaben fördern, das menschliche Gehirn an einem Supercomputer zu simulieren.

Das Human Brain Project wird von der École Polytechnique Fédérale im schweizerischen Lausanne (EPFL) aus koordiniert. Intitiator ist der charismatische Hirnforscher Henry Markram. In einem Interview mit der Zeitung "Schweiz am Sonntag" warnt er nun vor dem möglichen Aus des Projekts.

"Es kann gut sein, dass die Forschung ein Opfer der Politik wird", erklärte Markram. Ihn und manche seiner Kollegen treibt die Angst um vor Reaktionen der EU auf das jüngste Referendum, in dem die Mehrheit für Beschränkungen beim Zuzug von Ausländern in die Schweiz gestimmt hatte. Die Finanzierung des Prestigeprojekts zur Modellierung des Gehirns sei in Gefahr, warnt Markram.

Bis 2016 werde die EU-Kommission nur 54 Millionen Franken der bislang angekündigten halben Milliarde in das Projekt investiert haben, sagte der südafrikanische Hirnforscher, der in der Schweiz forscht. Eine Verlagerung ins Ausland ist aus Markrams Sicht keine Option: "Wir haben das Projekt an der ETH Lausanne entwickelt und mitfinanziert." Die Infrastruktur sei einmalig. "Ohne die Schweiz stirbt das Human Brain Project."

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Human Brain Project: Das simulierte Gehirn

Zuvor hatte bereits Patrick Aebischer, Präsident der EPFL, erklärt, der Forschungsstandort Schweiz sei nach der Volksabstimmung in Gefahr. Die Beteiligung Schweizer Universitäten und Institute an Projekten des Europäischen Forschungsrates stehe auf der Kippe. "Wir werden Forscher verlieren", sagte Aebischer. Seine Hochschule habe 2013 rund 84 Millionen Franken aus Europa erhalten, davon allein 24 Millionen fürs Human Brain Project. Die Schweiz erhalte für einen Franken, den es an Europa für Forschungsprojekte zahle, etwa 1,50 Franken an Förderung zurück.

Nach Aebischers Angaben hat die EPFL beim Human Brain Project bislang Gelder für 30 Monate zugesprochen bekommen. Bei der Bewerbung um die zweite Tranche müsse seine Hochschule die Projektführung womöglich abgeben, falls die Schweiz bis dahin keine Lösung mit der EU gefunden habe.

Am Human Brain Project sind etwa 500 Forscher aus 22 Ländern beteiligt. Der Bereich Supercomputing wird von Jülich aus koordiniert. An der École Polytechnique Fédérale in Lausanne hat Markrams Team bereits Teile eines Rattengehirns an einem Großrechner simuliert.

Der Forschungsbedarf ist groß: Krankheiten wie Alzheimer oder Parkinson sind kaum verstanden. Auch wie Lernen funktioniert und wie Intelligenz entsteht, wissen Hirnforscher nur ansatzweise. Ziel des Human Brain Projects ist es, die Abläufe im Gehirn so detailliert wie möglich zu modellieren und dann quasi am Modell zu verstehen, wie das Gehirn funktioniert.

Es gibt jedoch auch Kritik an dem Großprojekt: Mancher Forscher hält das Vorhaben für vollkommen unrealistisch oder gar schlicht für Verschwendung von Steuergeldern .

hda