Zwischenlager Gorleben: Wenig Bedenken wegen erhöhter Strahlung - DER SPIEGEL
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Zwischenlager Gorleben Wenig Bedenken wegen erhöhter Strahlung

Ein Fernsehbericht sorgt für Aufsehen: "Gestiegene Strahlenwerte am Zwischenlager Gorleben" wurden gemeldet. Die genauen Zahlen jedoch geben kaum Anlass zur Sorge. Das verantwortliche Ministerium will die Sache dennoch prüfen - und gegebenenfalls eine zusätzliche Bleiwand aufstellen.
Umstrittenes Zwischenlager Gorleben: Behörden kündigen Prüfung an
Umstrittenes Zwischenlager Gorleben: Behörden kündigen Prüfung an

Umstrittenes Zwischenlager Gorleben: Behörden kündigen Prüfung an

Foto: ? Pawel Kopczynski / Reuters/ REUTERS
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Hamburg - Die Meldung über erhöhte Strahlungswerte am Atomzwischenlager Gorleben kam am Donnerstagabend: Hinter der Halle, in der die Castorbehälter mit Atommüll stehen, sei mehr Strahlung gemessen worden als im Vorjahr, zitiert das NDR-Fernsehmagazin "Hallo Niedersachsen" einen internen Vermerk des des Landesbetriebs für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz (NLWKN). Nach den aktuellen Werten sei nicht auszuschließen, dass die erlaubte Jahresdosis für 2011 überschritten werden könnte. Eine Einlagerung weiterer Castor-Behälter wäre dann nicht zulässig, heißt es weiter.

Eine nüchterne Betrachtung der berichteten Messungen gibt indes kaum Anlass zur Sorge: Der Halbjahreswert für Neutronenstrahlung am Zaun des Zwischenlagers lag nach Angaben des Ministeriums im vorigen Jahr bei 0,23 Millisievert, in diesem Jahr bei 0,27 Millisievert. Auf das Jahr betrachtet ist dort ein Wert von 0,30 Millisievert erlaubt. Eine solche Dosis Strahlung, würde erhalten, wer ein ganzes Jahr hinter der Halle mit den Castoren stehen würde - ein unrealistisches Szenario. Im Gebirge und im Flugzeug werden solche Werte überschritten.

Gleichwohl müssten die Messungen "eingehend geprüft werden", sagte eine Sprecherin des niedersächsischen Umweltministeriums, das für das Zwischenlager verantwortlich ist, zu SPIEGEL ONLINE. Möglicherweise seien ein Messgerät oder Castorbehälter verschoben worden. Am kommenden Dienstag werde mit dem Betreiber des Zwischenlagers das weitere Vorgehen beraten. Man denke über weitere Maßnahmen nach, beispielsweise eine Bleibarriere hinter die Castoren zu stellen. Eine wirksame Maßnahme könnte auch die Umstellung der Behälter innerhalb des Lagers sein, um den Abstand zum Zaun des Betriebsgeländes zu erhöhen, wo gemessen wird.

Grüne kritisieren "abenteuerliche Überlegung"

Das niedersächsische Umweltministerium glaubt, dass der nächste Castor-Transport mit Atommüll nach Gorleben in diesem Herbst nicht gefährdet ist. Die Sprecherin des Umweltministeriums wies darauf hin, dass die Grenzwerte für das Zwischenlager Gorleben deutlich schärfer seien als für andere deutsche Atomanlagen an vergleichbarer Stelle - dort gelte in der Regel ein Jahresgrenzwert von 1,0 statt wie in Gorleben von 0,3 Millisievert.

Die Grünen im niedersächsischen Landtag forderten umgehend, den nächsten Castor-Transport nach Gorleben für den Herbst abzusagen. Die Werte seien ein Alarmsignal. Fraktionschef Stefan Wenzel warnte Landesregierung und Atomindustrie davor, weitere Einlagerungen durch Tricks und Manipulationen ermöglichen zu wollen. Die Umstellung von Behälter sei eine "abenteuerliche Überlegung".

Die endgültige Entscheidung, ob es in diesem Jahr einen Castor-Transport nach Gorleben gibt, fällt nach Angaben aus dem Ministerium im Oktober. Messungen der Strahlung an den eingelagerten Castor-Behältern im vergangenen Jahr hätten keine erhöhten Werte ergeben.

boj/dpa