Teure Lähmung - DER SPIEGEL
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Wissenschaft + Technik Teure Lähmung

Der Bundestag berät über Fallpauschalen-Entgelte in Kliniken. Ärzte fürchten um die teure Behandlung von Querschnittgelähmten.
• aus DER SPIEGEL 50/2001
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Noch vor 60 Jahren bedeutete die Diagnose »Querschnitt« Siechtum und Tod. Heute haben Patienten nach erfolgreicher Rehabilitation eine normale Lebenserwartung. Insgesamt leben in Deutschland etwa 65 000 Querschnittgelähmte, jedes Jahr kommen rund 1600 Fälle hinzu.

Ein Neu-Gelähmter verbringt in einem der 24 deutschen Querschnittzentren etwa sechs Monate zu einem Tagessatz von etwa 1000 Mark. Ärzte befürchten, dass erfolgreiche Therapien gefährdet werden könnten, wenn der Bundestag in dieser Woche das Gesetz zum so genannten Fallpauschalen-Entgelt-System verabschiedet. Es sieht vor, dass Ärzte ab dem Jahr 2007 jede Diagnose nach einer spezifischen Kostenpauschale abrechnen müssen. Ziel ist es, die Verweildauer in Krankenhäusern zu verkürzen. Ab Januar kommenden Jahres sollen Ärzte und Krankenhäuser nach einem entsprechenden Diagnoseschlüssel Patientendaten sammeln. Diese sollen als Grundlage dienen, um später die Höhe der Kostenpauschalen festzusetzen.

Gerade für Querschnittspezialisten ist das schwierig. Denn ihre Patienten leiden nicht nur unter der Lähmung. Typische Begleiterkrankungen sind Thrombosen, Nierenversagen, Herz- und Kreislaufkollapse, Spastik oder psychische Einbrüche.

Da die Krankheit bei Querschnittgelähmten so individuell verläuft wie bei psychisch Kranken, passen die meisten Fälle nicht in das vereinheitlichende Schema der Fallpauschale. Deshalb, so argumentiert die Deutschsprachige Medizinische Gesellschaft Paraplegie, sei bereits das Sammeln von Daten eine Farce.

Seit Wochen verschicken die betroffenen Ärzte und Patienten Post an die deutschen Abgeordneten in Berlin. Mit ihrer Kampagne wollen sie eine Ausnahmeregelung für Querschnittbehinderte erreichen.

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