Tödlicher Durst - DER SPIEGEL
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TIERE Tödlicher Durst

• aus DER SPIEGEL 25/2002
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Manche Grille strebt plötzlich, vom Wahnsinn gepackt, aufs nächste Wasserloch zu und stürzt sich hinein. Wenig später kriecht ein fadendünner Wurm, bis zu 20 Zentimeter lang, aus dem Insekt heraus und kringelt sich von dannen. Das ist ein Saitenwurm, und er hat in diesem Moment das Ziel seines bizarren Lebenszyklus so gut wie erreicht. Der Bielefelder Zoologe Andreas Schmidt-Rhaesa hat jetzt erstmals nachgewiesen, dass dieser Parasit den Durst seiner Wirte erregt, um ins Wasser zu gelangen. Die Würmer paaren sich dort unverzüglich, wobei sie oft zu Dutzenden unentwirrbare Knäuel bilden. Aus ihren Eiern kriechen später winzige Larven, die - mit etwas Glück - eines Tages im Wasser von einer Mückenlarve verschlungen werden. Nun muss das Wirtstier nur noch ausschlüpfen, an Land sein Leben beschließen und im Magen einer Grille landen. Erst dann kann der nächste Lebensabschnitt des Saitenwurms beginnen: Im Inneren des neuen Wirtes frisst der Wurm sich satt, bis er die Körperhöhle des Insekts fast gänzlich ausfüllt. Am Ende muss der Parasit wieder pünktlich ins Wasser zurück zur Paarung. Wie er den dazu nötigen Durstanfall beim Wirtstier auslöst, ist allerdings noch ein Rätsel.

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