Untergang der "Titanic" 37 Sekunden Schicksal
Untergang der Titanic (Gemälde)
Foto: Bettmann Archive/ Getty ImagesDieser Text gehört zur Reihe "Bestseller von SPIEGEL+", er ist zuerst erschienen im SPIEGEL
13/2012.
Schicksal ist nur ein Wort dafür, dass man nicht weiß, warum etwas passiert und wann eigentlich alles bereit ist für die Tragödie. Und natürlich konnte William McMaster Murdoch in jener Nacht vor 100 Jahren nicht wissen, dass sich sogar Mond und Sonne gegen ihn gedreht hatten.
Der Erste Offizier der "Titanic" war ein brillanter Nautiker, mit einem kühlen Kopf und einem erstklassigen Auge für Distanzen, Geschwindigkeiten und Winkel. Am 14. April gegen 23.30 Uhr Bordzeit stand er auf der Brücke, er hatte in diesen Stunden das Kommando über das gewaltigste Schiff der Welt, über die größte Maschine, die Menschen bis dahin erschaffen hatten: 269 Meter lang und "praktisch unsinkbar", wie damals Experten schrieben.
Die "Titanic" sollte das berühmteste Schiff aller Zeiten werden, ihre Jungfernfahrt eine Legende: Mit gut 21 Knoten rauschte sie über den Atlantik, fast Höchstgeschwindigkeit, der Kapitän hatte es so befohlen. Das Licht auf Brücke und Vorschiff war ausgeschaltet, Murdoch starrte nach vorn in die Schwärze der Neumondnacht.