MEDIZIN Vorbild Irland
Patienten, die an Blutgerinnungsstörungen leiden, werden in Irland künftig nur noch mit Gerinnungsfaktoren behandelt, die aus gentechnischer Fertigung stammen. Dadurch wird die Möglichkeit ausgeschlossen, daß den Blutern zusammen mit den Medikamenten auch Aids- oder Hepatitis-C-Erreger infundiert werden. Allein in der Bundesrepublik waren in den achtziger Jahren mehr als 2000 Bluter mit HI-Viren infiziert worden, weil sie aus verunreinigtem Spenderblut gewonnene Plasmakonzentrate bekommen hatten. Mit Hepatitis-C wurden in den siebziger Jahren fast 7000 Mütter in der DDR angesteckt - durch das verunreinigte Präparat »Anti-D«, das eine Rhesusfaktor-Unverträglichkeit bekämpfen sollte. Wie diese Frauen müssen auch in den alten Bundesländern noch viele Bluter bangen, die mit Hepatitis-C infiziert wurden. Diese Erkrankung ist kaum heilbar und führt bei fast jedem zweiten Betroffenen nach 15 bis 20 Jahren zu Leberkrebs oder -zirrhose. Durch Spenderkontrolle, Erhitzung und chemische Zusätze wurde zwar das Risiko einer Virus-Übertragung durch Plasmaprodukte in den letzten Jahren fast auf Null gebracht. Dennoch können, so die Befürchtung der Experten, durch Blutprodukte auch hitzebeständige Prionen wie etwa die Auslöser der Creutzfeldt-Jakob-Krankheit oder des Rinderwahns übertragen werden. Die gentechnisch produzierten Blutfaktoren, die künftig in Irland als erstem europäischen Land ausschließlich verwendet werden sollen, würden auch dieses Risiko fortan ausschließen.