Asteroid "Itokawa": Das tanzende Forschungsobjekt
Asteroid "Itokawa" Tanz bis zur Verschmelzung
"Itokawa" ist außergewöhnlich, von außen wie von innen. Die einen beschreiben den Asteroiden als gigantische Erdnuss; andere sprechen von einem Seeotter. Etwas mehr als 500 Meter ist er lang, fast 300 Meter misst er an seiner dicksten Stelle. Er dreht sich kontinuierlich um sich selbst, angetrieben von der Sonne. Berechnungen haben nun ergeben: Auch das Innenleben ist alles andere als einheitlich - und vermutlich das Ergebnis eines Crashs im All.
Das Verhalten des Asteroiden konnten die Wissenschaftler erklären, indem sie den Kometen mathematisch in zwei Teile zerlegten. Mit dem Yarkovsky-O'Keefe-Radzievskii-Paddack-Effekt (YORP-Effekt) berechneten sie die Masse. Im Journal Astronomy & Astrophysics veröffentlichten sie nun ihre Ergebnisse.
Der größere Teil des Mini-Planeten hat die Konsistenz von dicht gepacktem Sand, der kleinere die von Granit. Daraus schließen die Wissenschaftler, dass einst zwei Asteroiden umeinander kreisten und schlussendlich zu einem wurden. "Es war eine sehr langsame Kollision", vermutet Colin Snodgrass, Asteroidenforscher am Max-Planck-Institut für Sonnensystemforschung im niedersächsischen Katlenburg-Lindau. Etwa alle anderthalb Jahre, genau gesagt 556 Tage, kreuzt er die Umlaufbahn der Erde. Angetrieben von der Sonne dreht er sich dabei um sich selbst, in zwölf Stunden einmal um die eigene Achse. Das funktioniert, weil der Asteroid Lichtteilchen aufnimmt und als Wärme wieder abgibt - unregelmäßig, wegen seiner Form. In jedem Jahr dreht er sich 45 Millisekunden schneller.
Der Asteroid wird sich selbst vernichten - wenn die Zeit reicht
Hätte "Itokawa" endlos Zeit, würde er eines Tages auseinanderfliegen, sagt Snodgrass. Denn wenn der Asteroid für die Rotation nur noch zwei Stunden braucht, reicht seine Schwerkraft nicht aus, um die Fliehkräfte auszugleichen.
Doch so weit wird es wohl nicht kommen. Auf seiner Bahn um die Sonne kommt Itokawa der Erde und dem Mars sehr nahe . "Das ist kein sicherer Ort für einen Asteroiden", sagt Snodgrass. "Itokawa" könnte auch in die Sonne stürzen, lange bevor die Rotation ihn im All verstreut hätte.
Die Rotation beobachteten Wissenschaftler einer internationalen Forschergruppe, mit denen Snodgrass Asteroiden erforscht. "Derzeit gibt es nur eine Hand voll Asteroiden, die sich so verhalten", sagt Snodgrass.
Die Bilder aus den Jahren 2001 bis 2013 stammen von acht Teleskopen in den USA, Spanien und Chile, unter anderem vom New Technology Telescope der Europäischen Südsternwarte (ESO). 2005 hatte die japanische Raumsonde Hayabusa Nahaufnahmen des Asteroiden geschossen.