Astronomische Ausblicke Geschockter Nebel
Sterne in der Größenordnung unserer Sonne haben eine gute Chance, sich am Ende ihrer Laufbahn ein leuchtendes Denkmal zu setzen. Zu einem Roten Riesen aufgebläht, treiben sie mit einem kräftigen Sternenwind einen Großteil ihrer Masse ins All. Die abgestoßenen Gashüllen, die im 18. Jahrhundert den leicht irreführenden Namen "Planetarische Nebel" erhielten, präsentieren sich in einer beeindruckenden Farb- und Formenvielfalt.
Wie die prächtigen Gebilde entstehen, ist allerdings noch nicht völlig geklärt. Astronomen aus Spanien und den USA haben deshalb das Weltraumteleskop Hubble auf einen Planetarischen Nebel im Frühstadium gerichtet - den Kalebassen-Nebel im Sternbild Puppis, der von nüchternen Gemütern auch OH 231.8+4.2 genannt wird. Die spektakuläre Aufnahme zeigt erstmals deutlich jene Turbulenzen, die der vollen Entfaltung der Gashülle vorausgehen.
Das Bild
Der Kalebassen-Nebel gehört zu einem offenen Sternhaufen in rund 5000 Lichtjahren Entfernung. Den Namen verdankt er seiner besonderen Gestalt: Auf zwei Seiten hat das Zentralgestirn Gasmassen herausgeschleudert, die in ihrer Form an einen Zierkürbis erinnern. Nach den Schätzungen der Forscher um Valentin Bujarrabal vom spanischen Observatorio Astronomico Nacional begann der Prozess vor gerade einmal 800 Jahren. Erst in Tausend Jahren wird sich der nur 1,4 Lichtjahre lange Kokon zu einem ausgewachsenen Planetarischen Nebel entwickelt haben.
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Vom Stern selbst, der sich unter einer Staubhülle im Zentrum verbirgt, ist nicht mehr allzu viel vorhanden: Fast seine gesamte Masse ist ins All entwichen. Das ausgeworfene Gas - auf dem Bild gelb dargestellt - wird dabei auf Geschwindigkeiten bis zu eineinhalb Millionen Kilometer pro Stunde beschleunigt. Die schnellen Gasströme kollidieren mit Materie in der Umgebung des Roten Riesen. Beim Aufprall entstehen gewaltige Schockfronten, die auf dem Foto in Form einer blau leuchtenden Doppelblase zu erkennen sind.
Die Forscher vermuten, dass solche Schockfronten eine wesentliche Rolle in der Entstehung Planetarischer Nebel spielen. Computermodelle hatten ihre Existenz und Gestalt bereits vorhergesagt, doch die direkte Beobachtung fiel bislang schwer. Durch die Anwendung von Filtern, die nur das Licht von ionisiertem Wasserstoff und Stickstoff durchließen, konnten die Wissenschaftler das von den Schockwellen am stärksten erhitzte Gas sichtbar machen - und damit auch den Verlauf der Schockfronten selbst.
Die Kamera
Das Hubble-Teleskop ist ein Gemeinschaftsprojekt der Nasa und der Esa. Die nun veröffentlichte Ansicht des Nebels besteht aus vier Einzelfotos, die das fliegende Observatorium Ende 2000 mit der bewährten Wide Field Planetary Camera 2 aufnahm. Die rot und grün dargestellte Strahlung wurde mit jeweils 15 Minuten relativ kurz aufgezeichnet. Damit auch die blau schimmernden Schockfronten zur Geltung kommen, blieben die Filter für ionisierten Wasserstoff und Stickstoff gut vier Stunden im Einsatz.
Martin Paetsch