Astronomische Ausblicke: Rendezvous im Getümmel - DER SPIEGEL
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Astronomische Ausblicke Rendezvous im Getümmel

Im Gedränge eines Kugelsternhaufens kann es schon einmal zu Kollisionen kommen. Doch nur äußerst selten entstehen dabei solche Sternsysteme, wie Astronomen sie nun auf einer Aufnahme des Hubble-Teleskops entdeckt haben.
Von Pia Heinemann
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Prallen in einem Kugelsternhaufen zwei Sterne frontal aufeinander, bleibt meist nur ein Himmelskörper übrig - beide Gaskugeln verschmelzen zu einem einzigen großen Stern. Wenn sich die Sterne jedoch knapp verfehlen, können sie als enges Doppelsternsystem enden. Zwei solcher ungewöhnlichen Paare haben Astronomen nun im Zentrum des Kugelsternhaufens Omega Centauri aufgespürt - dank einer hoch auflösenden Aufnahme des Weltraumteleskops Hubble, die nun veröffentlicht wurde.

Das Bild

Verkehrschaos, eine Nachtaufnahme von einer ungeordneten Großstadt - das Bild des Weltraumteleskops könnte auch von der Erde stammen. Doch die weißen, gelben und blauen Pünktchen vor schwarzem Grund gehören zu Omega Centauri. Der hellste Kugelsternhaufen in unserer Galaxie, der etwa 17.000 Lichtjahre entfernt ist, lässt sich am südwestlichen Himmel schon mit bloßem Auge als matter Nebel erkennen. Astronomen gehen davon aus, dass er ehemals eine eigenständige Galaxie war, die sich die Milchstraße in einer Art kannibalischem Akt einverleibte.

Den Haufen bilden mehrere Millionen Sterne, die sich in Bahnen um ein gemeinsames Gravitationszentrum bewegen. Schon auf dem kleinen von Hubble fotografierten Ausschnitt, der einen etwa 13 Lichtjahre großen Bereich zeigt, tummeln sich etwa 50.000 Sterne. Ein entsprechend großes Terrain um unsere Sonne herum würde gerade einmal ein halbes Dutzend Sterne beherbergen.

Auf der Aufnahme lässt sich gut erkennen, in welcher Lebensphase sich einzelne Sterne befinden. Die vielen gelbweiß leuchtenden Punkte sind Zwergsterne ähnlich unserer Sonne. Bei den wenigen orange-gelb strahlenden Sternen handelt es sich um Rote Riesen, die sich auf rund den hundertfachen Durchmesser unserer Sonne aufgebläht haben. Die bläulich schimmernden Lichtpunkte stellen wahrscheinlich Sterne dar, die sich auf ihrem Lebensweg zwischen dem Zwerg- und dem Riesenstadium befinden und eine extrem heiße Oberfläche besitzen.

Der Hintergrund

Auch die beiden engen Doppelsternsysteme ließen sich in diesem Getümmel nur anhand ihrer charakteristischen Strahlung identifizieren. Dass die Forscher nur zwei dieser Paare fanden, hat einen guten Grund: Sie bilden sich nur äußerst selten. Damit solche Systeme entstehen können, müssen zwei Sterne mit einem bestimmten Kräfteverhältnis aneinander vorbeischrammen, ohne dass ihre Geschwindigkeit zu hoch oder zu gering ist. Schon frontale Kollisionen sind im dichten Zentrum von Omega Centauri relativ selten, haben sich angesichts des hohen Alters von etwa 12 Milliarden Jahren jedoch vermutlich schon viele Tausende Male ereignet.

Bei den zwei Sternsystemen ist einer der beiden Partner ein Weißer Zwerg, der seinem Begleiter Gas entzieht. Dieses Gas wird beim Sturz auf die Oberfläche des Weißen Zwerges so stark erhitzt, dass es ultraviolettes Licht abstrahlt. Dank dieser Emissionen konnten die Astronomen die ungewöhnlichen Sternkonstellationen entdecken.

Die Kamera

Die Daten für das jetzt veröffentlichte Bild des Kugelsternhaufens gewann das Weltraumteleskop bereits im Juni 1997. Dabei wurde die Wide Field and Planetary Camera 2 insgesamt drei Stunden auf Omega Centauri gerichtet. Um die Strahlung der Sterne und Sternsysteme besser unterscheiden zu können, wurden Aufnahmen in drei verschiedenen Wellenbereichen gemacht, die anschließend zu einem Bild zusammengesetzt wurden.