Beinahe-Katastrophe: "Space Ship One" torkelte ins All - DER SPIEGEL
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Beinahe-Katastrophe "Space Ship One" torkelte ins All

Der am Montag geglückte Erstflug eines privat finanzierten Raumschiffs in den Weltraum lief weniger glatt als es schien. Das System zur Lagekontrolle des Gefährts fiel aus und brachte "Space Ship One" bedrohlich ins Schlingern.
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Innerhalb von 14 Tagen zweimal mit drei Personen 100 Kilometer Höhe erreichen - das sind die Bedingungen, um den "X-Prize" in Höhe von zehn Millionen Dollar zu bekommen. Das Team vom "Space Ship One" hat beste Chancen auf die ausgelobte Prämie, denn am Montag gelang ihm erstmals ein Privat-Trip ins All.

Doch bei dem Flug gab es ernsthafte technische Schwierigkeiten, wie Konstrukteur Burt Rutan nun erklärte. Solange deren Ursachen nicht vollständig aufgeklärt sind, sei an weitere Starts nicht zu denken.

Pilot Mike Melvill berichtete von einem Teilausfall des Systems, das die Lage des Raumschiffs steuert. Das Problem sei 70 Sekunden nach dem Zünden des Raketenantriebs aufgetreten, in dem Moment, als Melvill die bei 100 Kilometern definierte Grenze zum Weltall erreichte. Der Ausfall der Lagesteuerung hätte zu einem Desaster führen können, sagte er. "Wenn das zu einem früheren Zeitpunkt des Fluges passiert wäre, hätte ich es niemals geschafft", erklärte Melvill dem Wissenschaftsmagazin "New Scientist".

Außerdem habe der Pilot ein lautes Knallen gehört, während das Triebwerk hinter ihm gefeuert habe. Das Team glaubt, dass der Knall von der Triebwerksverkleidung herrührt, die durch den schnellen Flug unter aerodynamischen Druck geriet. Nach Aussage von Dick Rutan, dem Bruder von Chefkonstrukteur Burt Rutan, hätte jedoch keine Gefahr für "Space Ship One" bestanden, auch wenn die Verkleidung vollständig abgefallen wäre.

Die erste Schrecksekunde erlebte der Pilot Melville dem Bericht zufolge beim Starten des Triebwerks. Das Raumschiff torkelte plötzlich um 90 Grad nach links. Als er das Gefährt wieder auf die vorgesehene Bahn manövriert hatte, rollte es nach rechts.

Er habe den Nothebel schon in der Hand gehalten, um den Flug abzubrechen, sagte Melville. Aber das Raumschiff blieb dann doch stabil und schaffte den Aufstieg bis in 100 Kilometer Höhe.

Den Rückflug aus dieser Höhe bis zur Landebahn verglich der Pilot mit einem Höllenritt. Der Lärm sei heftig gewesen. "Man hört, wie das Raumschiff regelrecht durchgeschüttelt wird." Konstrukteur Rutan kündigte eine intensive Fehlersuche an: "Wir werden keinen neuen Flug starten, solange wir die Ursachen der Probleme nicht kennen und beseitigt haben."

Trotz aller Schwierigkeiten scheint die Stimmung unter den Privat-Astronauten ungetrübt. Melvill erzählte, er habe beim Erreichen der Schwerelosigkeit eine Tüte mit Schokoladennüssen geöffnet, um sie im Cockpit herumfliegen zu lassen.

Nasa will Preise ausloben

Die US-Raumfahrtbehörde Nasa hat offenbar Gefallen an privat konzipierten und finanzierten Raumflügen gefunden. Die Behörde erwägt, selbst Preise in Millionenhöhe für Projekte wie eine weiche Mondlandung zu stiften. Ein Sprecher sagte, man habe über "einige Hundert Millionen Dollar" diskutiert, die das Team erhalten solle, dem eine Erdumrundung gelinge.

Auch eine Kommission des Weißen Hauses hatte sich für eine stärkere Einbindung privater Investoren in US-Weltraumprojekte ausgesprochen und den Kongress aufgefordert, Geldpreise "in signifikanter Höhe" zu stiften.