Bilderbuchstart: "Rosetta" setzt die Sonnensegel - DER SPIEGEL
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Bilderbuchstart "Rosetta" setzt die Sonnensegel

Aufatmen unter Esa-Wissenschaftlern: Die Sonde "Rosetta" legte an Bord einer Ariane-5-Rakete einen Bilderbuchstart hin und hat inzwischen ihre Sonnensegel entfaltet. In zehn Jahren wird sie ihren Zielkometen erreichen und ein Landegerät absetzen.
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"Lehnen Sie sich zurück und genießen Sie" - so cool gab sich der Kommentator des Esa-eigenen Fernsehkanals am Dienstagmorgen kurz vor dem Start der Raumsonde "Rosetta". Damit bildete er jedoch die absolute Ausnahme. Den übrigen Mitarbeitern der Europäischen Weltraumorganisation im Darmstädter Kontrollzentrum und am Startplatz im südamerikanischen Kourou war zu diesem Zeitpunkt höchste Nervosität ins Gesicht geschrieben. Erst zwei Stunden später, als sich die Sonde bereits im All befand und ihre Sonnensegel entfaltet hatte, wich die Anspannung und konnten die Sektflaschen geöffnet werden.

Es war noch tiefe Nacht in Kourou, als um 8.17 Uhr deutscher Zeit die Raketen der Ariane-5 zündeten. Ein gewaltiger Feuerschwall hüllte für einen Moment den gesamten Startplatz ein. Sieben Sekunden später erhob sich die Ariane und stieg in den spärlich bewölkten Himmel empor, um kurz darauf auf Grund der bereits erreichten Höhe schon wieder aus dem Blickfeld zu verschwinden. Nur noch eine Computerkurve auf einem Monitor ließ den weiteren Kurs der Rakete erahnen.

Die große Anspannung resultierte nicht zuletzt aus dem gescheiterten Jungfernflug vor anderthalb Jahren, als die neu entwickelte Ariane-5-Plus kurz nach dem Start von der Flugbahn abkam und gesprengt werden musste. Wäre dies auch dieses Mal passiert, hätten sich allein von den "Rosetta"-Kosten rund eine Milliarde Euro buchstäblich in Luft aufgelöst. Weil man bei der Esa aber kein Risiko eingehen wollte, wurde vergangene Woche der Countdown gleich zwei Mal kurzfristig gestoppt.

Nun ist "Rosetta" auf Kurs zum Kometen "Churyumov-Gerasimenko". "Eine der aufregendsten Missionen in der Geschichte der Raumfahrt hat begonnen", jubelte Rita Schulz, eine der führenden an dem Projekt beteiligten Wissenschaftler. 2014 soll "Rosetta" in eine Umlaufbahn um den Kometen einschwenken und das Landegerät "Philae" auf der Oberfläche absetzen.

Von den Experimenten des Hightech-Labors "Philae" erhoffen sich die Wissenschaftler Erkenntnisse über die Ursprünge des Sonnensystems. Die Landung auf einem Kometen stellt für die Raumfahrer eine Premiere und zugleich eine riesige Herausforderung dar: Wegen der geringen Schwerkraft auf dem gerade einmal vier Kilometer breiten Kometen dürfte sie sich als äußerst kompliziert gestalten.

Kometen sind Überbleibsel aus jener Zeit vor 4,5 Milliarden Jahren, als sich die Planeten bildeten. Im Inneren der vorwiegend aus Eis und Staub bestehenden Himmelskörper werden komplexe Moleküle vermutet, die möglicherweise einst die Grundlage für die Entstehung des Lebens auf der Erde legten. "Mit 'Rosetta' wird es uns gelingen, Fragen zu beantworten, die sich die Menschheit schon seit Jahrhunderten stellt", glaubt Esa-Expertin Schulz.

Fotostrecke

Rosetta-Mission: Die Landung auf "Churyumov-Gerasimenko"

Foto: ESA/ AOES Medialab

Nach dem Erfolg mit dem "Mars Express" und dem geglückten Start ihrer Mondsonde "Smart-1" herrscht bei der Esa binnen eines Jahres zum dritten Mal große Freude. Aufatmen können auch die Mitarbeiter des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt (DLR) in Köln-Porz und des Raumfahrtkonzerns EADS Space mit den Niederlassungen Bremen und Friedrichshafen. Bei EADS wurde die Oberstufe der Ariane und - federführend innerhalb eines internationalen Konsortiums - auch die Raumsonde selbst konstruiert.

In Köln entstanden wesentliche Teile des Landers "Philae", weshalb dort auch das Kontrollzentrum, das die Landung auf dem Kometen vorbereiten und betreuen wird, angesiedelt ist. Bis es für die Techniker in Köln richtig ernst wird, wird jedoch bei so manchem wohl noch das ein oder andere graue Haar wachsen.

Guido Heisner, ddp

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