Übungshügel: Mars-Rover "Curiosity" startet zur ersten Testfahrt
"Curiosity" Lädiertes Mars-Auto startet Expedition
Hamburg - Der eine Tonne schwere, mit Atomkraft betriebene Robotergeologe "Curiosity" soll am Mittwoch zu seiner ersten Expedition starten. Das Gefährt werde etwa drei Meter rollen, nach rechts abbiegen und schließlich in einer neuen Parkposition verharren, teilte der Projektleiter Mike Watkins mit. Vier der sechs Räder der "Curiosity" seien bereits gedreht worden, um die Steuerung zu testen.
Das geplante Manöver ist nach Angaben der US-Raumfahrtbehörde Teil einer allgemeinen Überprüfung der Funktionen des Rovers, der am 5. August auf dem Roten Planeten aufsetzte. Anschließend soll er sich Dutzende Meter pro Tag fortbewegen - sein erstes Ziel heißt Glenelg, ein Gebiet, in dem drei verschiedene geologische Formationen zusammenstoßen. Die Fahrt nach Glenelg werde wahrscheinlich etwa vier bis sechs Wochen dauern, erklärt die Nasa.
Die Expedition werde allerdings erschwert, weil ein Windmesser von "Curiosity" ausgefallen ist, teilt die Nasa mit. Auf dem Roten Planeten drohen heftige Winde. Vermutlich sei bei der Landung des Rovers Steinchen aufgewirbelt worden, die das Gerät getroffen und demoliert hätten, meinen Nasa-Experten.
Wissenschaftliche Analysen könnte nach dem Ausfall der Windsensoren erschwert werden: Die Messungen der Luftbewegungen sollten Aufschluss geben über die Entstehung von Sanddünen auf dem Roten Planeten und über das Klima.
"Flugdirektor schläft"
Ganz andere Sorgen hat die Familie eines Nasa-Wissenschaftlers - sie lebt seit der Landung von "Curiosity" nach Marszeit. David Oh betreut als Flugdirektor die Mission des Mars-Rovers, er musste seinen Arbeitsalltag im kalifornischen Labor der US-Raumfahrtbehörde Nasa von Berufs wegen auf die Marszeit umstellen. Seine Frau Bryn und die Kinder Braden, Ashlyn und Devyn machten einfach mit.
An der Haustür warnte ein Schild: "Eingestellt auf Marszeit: Flugdirektor schläft. Kommen Sie später wieder." "Wir sind etwas müde, man fühlt sich den ganzen Tag, als hätte man einen Jetlag, aber allen geht es gut", sagt Bryn Oh nach zwei Wochen des Experiments.
Die Tage auf dem Mars dauern etwas länger als auf der Erde. Während sich unser Planet innerhalb von 24 Stunden einmal um die eigene Achse dreht, dauert dies beim Mars 39 Minuten und 35 Sekunden länger. Der Unterschied mag zunächst nicht sonderlich lang erscheinen, aber die Differenz zwischen Erdzeit und Marszeit wächst von Tag zu Tag.
Um das Haus tagsüber zu verdunkeln, beklebten die Ohs ihre Fensterscheiben mit Alufolie. Im Flur hilft ein handgemachter Kalender dabei, die Übersicht über die Tage zu behalten. Und im Schlafzimmer der Eltern ist eine Digitaluhr auf Marszeit eingestellt.
Nun haben die Ohs einen Meilenstein auf ihrer imaginären Marsmission erreicht: Sie gingen erst bei Sonnenaufgang zu Bett und schliefen den ganzen Tag. Doch gerade wenn sich die Kinder an die Marszeit gewöhnt haben, müssen sie ihre innere Uhr wieder auf Erdzeit umstellen: Ende des Monats geht die Schule wieder los.
Dankbar dürfte die Familie sein, dass sie nicht auf Marswetter umstellen musste: "Curiosity" hat eisige Temperaturdaten gemessen. Seit das Roboterfahrzeug auf dem Roten Planeten gelandet ist, hat die Lufttemperatur dort zwischen -2 und -75 Grad Celsius gelegen. Die Bodentemperaturen hatten sich vom Nachmittag bis zur Morgendämmerung zwischen 3 und -91 Grad Celsius bewegt.
Anmerkung der Redaktion: In einer ersten Version des Artikels war vom Ausfall zweier Windmessgeräte die Rede. Tatsächlich berichtet die Nasa vom Ausfall eines Windmessgerätes. Wir bitten, den Fehler zu entschuldigen.