"Discovery" Abhängen im All
Houston - Müll wegräumen, umladen, Füllstoff verspachteln - das letzte Tagesprogramm der "Discovery"-Astronauten klingt nicht eben abenteuerlich. Nach den laut Nasa-Angaben "exzellenten Leistungen" des "sehr erfolgreichen neunten Flugtags" genießen die Raumfahrer nun einen "wohlverdienten Ruhetag". In den Worten von Nasa-Flugdirektor Tony Ceccacci klingt eine Ahnung künftiger Touristen-Aufenthalte im Orbit an: "Dann können sie aus dem Fenster blicken und einen Tag im All genießen."
Zuvor hatten die Astronauten Piers Sellers und Mike Fossum den dritten Weltraumspaziergang der Mission absolviert. Dabei haben sie ein Dichtungsmittel getestet, das Sellers als "trockenen Matsch" beschrieb. Die beiden Raumfahrer übten das Verspachteln an Hitzekacheln, die in der Ladebucht des Space Shuttles montiert waren. Einige der Kacheln absichtlich auf der Erde beschädigt worden.
An scheinbar intakten Kacheln suchten Sellers und Fossum mit einer Infrarot-Kamera nach möglichen Schäden, die für das bloße Auge nicht sichtbar sind. Mit Weltraum-Kitt und Klebstoff besserten die beiden Raumfahrer dann Risse und kleine Löcher in den Hitzekacheln aus. Die handwerkliche Übung diente dazu, die Effektivität des Dichtungsmittels zu beurteilen. Ein Loch wie jenes, das im Februar 2003 zum Verlust des Shuttles "Columbia" geführt hatte, ließe sich damit jedoch nicht stopfen. Gespachtelt werden soll nur bei kleineren Schäden.
Diese Maßnahme im All einzuüben gehörte zu den Auflagen, unter denen die Nasa bemannte Raumflüge nach der Pause in Folge des "Columbia"-Unfalls wieder aufgenommen hatte. Während des Testeinsatzes verlor Astronaut Sellers einen Spachtel, der nun im Weltall schwebt. Die Kacheln sollen auf der Erde extremer Hitze ausgesetzt werden, um das Verhalten des Klebers während eines Shuttle-Wiedereintritts in die Erdatmosphäre zu simulieren.
Für die "Discovery" wird es am kommenden Montag heiß. Dann soll sie gegen drei Uhr nachmittags deutscher Zeit in Florida landen. Bei schlechtem Wetter könnte der Shuttle auch nach New Mexico oder Kalifornien ausweichen.
Wegen der nahenden Rückkehr waren die Astronauten an Bord der Internationalen Raumstation (ISS) am Mittwoch mit Aufräumarbeiten beschäftigt. Die "Discovery" bringt Müll von der Raumstation zurück auf die Erde. Am Freitag soll das Lastmodul "Leonardo" auf den Shuttle verladen werden. Für Samstag ist geplant, dass die Raumfähre von der ISS abdockt.
Die Mission ST-121 ist der 115. Flug eines Space Shuttles, 18 davon führten zur ISS. Mit dem geplanten Start der "Atlantis" am 28. August will die Nasa wieder den regulären Flugbetrieb zur Weltraumstation aufnehmen, deren Ausbau bis 2010 beendet sein soll.
stx/AFP/dpa