"Discovery" Shuttle-Reparatur geglückt
Aufatmen bei der Nasa: Die Reparatur des Hitzeschildes der "Discovery" ist schnell und problemlos verlaufen. US-Astronaut Steve Robinson brauchte nur wenige Minuten, um die beiden Füllstreifen zu beseitigen, die zwischen Hitzekacheln an der Unterseite der Raumfähre heraushingen.
Die beiden Streifen hätten sich leicht herausziehen lassen, sagte Robinson über Funk. "Ich werfe ihn einfach in meinen Müllbeutel", sagte der 49-Jährige, nachdem er den ersten Streifen triumphierend vor seine Helmkamera gehalten hatte. Weitere Faserstücke sehe er nicht. "Ich nehme hier meine eigene Inspektion vor." Die Discovery habe einen "schönen Bauch".
Robinson schwebte am knapp 20 Meter langen Roboterarm der ISS an die Unterseite der "Discovery" - ein Einsatz, der noch nie zuvor geübt, geschweige denn im All unternommen worden war. Robinson musste aber noch nicht einmal die von der "Discovery"-Besatzung eigens gebastelte Säge benutzen. Die beiden keramikbeschichteten Filzstreifen steckten offenbar lose zwischen den Hitzekacheln, so dass der Astronaut sie nur herauszuziehen brauchte.
Gewagter Einsatz: Die Reparatur des Space Shuttles
Die Aktion lief so reibungslos ab, dass die "Discovery"-Crew sogar zu Scherzen aufgelegt war. "Steve, könntest Du Deine Hand aus dem Blickfeld nehmen?", sagte Astronaut Adrew Thomas über Funk. "Wir genießen die Aussicht genauso wie Du."
Nasa wollte auf Nummer sicher gehen
Führende Nasa-Mitarbeiter hatten vor dem Einsatz Risiken eingeräumt. So war von der Gefahr die Rede, dass der Hitzeschild des Shuttles beim Reparaturversuch noch schwerer beschädigt werden könne. Auch Robinsons Raumanzug hätte durch scharfe Teile Schaden nehmen können.
Die Nasa riskierte die Reparatur dennoch, weil die Techniker der Raumfahrtbehörde das Gefahrenpotential der losen Streifen nicht abschätzen konnten. Sie vermuteten, dass sie beim Wiedereintritt in die Atmosphäre zu kurzen Stummeln abbrennen und Turbulenzen am Hitzeschild der "Discovery" verursachen könnten. Die Temperaturen an der Unterseite des Raumschiffs, die normalerweise bis zu 1400 Grad betragen, wären in diesem Fall stellenweise um 15 bis 25 Prozent gestiegen.
Die Füllstreifen sollen beim Start einer Raumfähre verhindern, dass es zu Berührungen zwischen den empfindlichen Hitzekacheln kommt. Bei der Landung erfüllen die Streifen keine Funktion mehr, weil dann andere Luftströmungen vorherrschen.
Neues Problem mit Hitzeschutz am Fenster
Das größte Sicherheitsrisiko für die Rückkehr der "Discovery" und ihrer sieben Besatzungsmitglieder scheint damit beseitigt. Mit Erleichterung reagierte die Nasa auch auf Testergebnisse, denen zufolge die Flügelkanten der Raumfähre unbeschädigt sind. An ihnen treten beim Rückflug zur Erde die größten Belastungen auf.
Dafür ergab sich überraschend ein neues Problem mit einem Teilstück des Hitzeschutzes in der Nähe des Cockpitfensters, das nach Angaben der Nasa beim Start durch auftreffende Trümmerstücke gerissen ist. Des stellvertretenden Shuttleprogramm-Manager Wayne Hale deutete an, dass den Astronauten ein zweiter Reparatureinsatz bevorstehen könnte.
Es gebe Befürchtungen, dass die Abdeckung, die sich direkt unterhalb des Fensters von Kommandantin Eileen Collins befindet, während des Wiedereintritts in die Erdatmosphäre abreißen und die "Discovery" an anderer Stelle treffen könnte. Bis Donnerstag werde man entscheiden, was zu tun sei.
Im Februar 2003 war die Raumfähre "Columbia" beim Wiedereintritt in die Atmosphäre auseinandergebrochen. Die Ursache war allerdings keine Füllstreifen, sondern ein Loch im Hitzeschild an der linken Flügelkante, das beim Start von herabfallenden Schaumstoffstücken des Haupttanks gerissen worden war.
Deutsche Technologie an der ISS
Vor der Reparatur hatten Robinson und der japanische Astronaut Soichi Noguchi an der Außenwand der Internationalen Raumstation erstmals auch ein Stück deutscher Spitzentechnologie angebracht. Es handelt sich dabei um eine externe Nutzlastpalette, die von der EADS Space in Bremen entwickelt wurde.
Die "Europalette für den Weltraum" soll für die kommenden 15 Jahre an der Außenwand der ISS bleiben. Damit können erstmals alle Werkzeuge und Ersatzteile für den weiteren Ausbau der Station außerhalb der Raumstation gelagert werden. Die Palette ist eine große Arbeitserleichterung, weil die Werkzeuge und besonders kritischen Ersatzteile für die Astronauten bei Weltraumeinsätzen immer greifbar sind.