E-Mail ins All: Alien, bitte melde dich! - DER SPIEGEL
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E-Mail ins All Alien, bitte melde dich!

Der Mensch versucht seit Jahrzehnten, mit Außerirdischen in Kontakt zu treten - bislang vergeblich. Jetzt startet das Internet-Portal Yahoo einen neuen Versuch.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Es gibt einen schlüssigen Beweis dafür, dass tatsächlich intelligente Wesen im All existieren: Sie haben noch nie Kontakt zu uns aufgenommen.

Dieser alte Witz unter Hobby-Astronomen könnte im Umkehrschluss auch als Beweis dafür herhalten, dass die Menschheit eher weniger intelligent ist. Denn sie versucht schon seit Jahrzehnten auf allen möglichen Wegen, mit Außerirdischen in Kontakt zu kommen.

Sonden sind ein Weg der Kontaktaufnahme, Astronomen versuchen es auch schon seit längerem mit Radiowellen. Mit großen Parabolantennen werden Nachrichten in die Weiten des Universums gefunkt - in der Hoffnung, dass irgendjemand da draußen zuhören möge. Wegen der großen Entfernungen im All ein äußerst ambitioniertes Unternehmen: Mit zunehmender Entfernung werden die Signale immer schwächer, zudem verhindern die langen Laufzeiten, dass eine mögliche Antwort zeitnah eintrifft.

Das Sonnensystem 61 Cygni B, ein möglicher Kandidat für Leben auf einem erdähnlichen Planeten, ist beispielsweise mehr als elf Lichtjahre von der Erde entfernt. Eine Antwort könnte die Menschheit frühestens nach 22 Jahren erreichen.

Ein Megabyte für Aliens

Die PR-Abteilung des Internetportals Yahoo störte das offenbar kaum, als sie die Aktion "Mails to Space" ins Leben rief. Bis zum 6. September kann jeder europäische Internetnutzer eine E-Mail mit Bildanhang schreiben , die am 12. September von einer 30-Meter-Parabolantenne Richtung 61 Cygni B gefunkt werden soll. Die E-Mail darf nicht größer als ein Megabyte sein.

Gefunkt wird von der Weilheimer Anlage des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt (DLR). Das Signal soll stark gebündelt zu 61 Cygni B im Sternbild Schwan gesendet werden. "Unsere Rechnungen haben ergeben, dass unser Signal dort tatsächlich mit einer vergleichbar großen Antenne empfangen werden könnte", sagte Karl Meinzer von der Universität Marburg, der die Aussendung der "Mails to Space" wissenschaftlich begleitet.

Meinzer hält das Projekt für "einzigartig". Ganz normale Erdenbürger dürften Texte und persönliche Fotos ins All schicken. "Damit die Foto-Botschaft auch ankommt, senden wir auf einer Frequenz von etwa 10.500 Megahertz", sagte der Weltraumtechnikexperte. "Dadurch wird unser Signal in der Erdatmosphäre kaum gedämpft und kann auch in sehr großer Entfernung empfangen werden."

Die Strategie, Aliens einfach auf gut Glück anzufunken, ist unter Wissenschaftlern umstritten. Christopher Rose von der Rutgers University in New Jersey empfiehlt, lieber Nachrichten per Sonde wegzuschicken als per Funk - zumindest für Entfernungen ab 1000 Lichtjahren. "Radiosignale verlieren sich über eine große Distanz", sagte der Wissenschaftler. Je weiter die Signale geschickt werden sollten, desto mehr Energie verbrauchten sie.

Außerirdische müssen auf Empfang sein

Außerdem seien Radiowellen, die einen Punkt im All passiert hätten, für immer weg. Was heißt: Hören die Aliens gerade mal nicht hin, ist die Botschaft futsch - verloren in der Unendlichkeit des Weltalls.

Rose hatte im Fachblatt "Nature" vorgerechnet, wie viel Energie erforderlich ist, um eine Botschaft in einer Sonde zu einem 1000 Lichtjahre entfernten Sternensystem zu schicken. Die gleiche Botschaft per Funk würde wesentlich mehr Energie verbrauchen.

Der Weg, den eine Flaschenpost an Aliens zurücklegen muss, ist allerdings unvorstellbar lang: Mit "Voyager 1" hat es gerade mal eine vom Menschen ins Universum verschickte Sonde bis zum Rand des Sonnensystems geschafft. "Voyager 1" wurde bereits am 5. September 1977 an Bord einer Titan-Centaur-Rakete ins All geschossen. Sollte die Sonde je in die Hände Außerirdischer geraten, werden diese im Innern eine goldene Schallplatte mit dem Titel "Sounds of Earth" entdecken. Sie enthält über 100 Bilder und Musik von Johann Sebastian Bach und Wolfgang Amadeus Mozart sowie diverse irdische Geräusche, etwa von Tieren.

Auch die zwei Wochen früher gestartete Schwestersonde "Voyager 2" reist mit einer solchen goldenen Scheibe durchs All, ist allerdings noch nicht so weit vorgestoßen wie "Voyager 1". An Bord der Sonde "Pioneer 10", die 1972 ihre Reise durch unser Sonnensystem begann, befindet sich hingegen eine Plakette, die einen Mann, eine Frau und die Position der Erde zeigt.

Geheime Infos in DNA versteckt?

Was für die Menschheit zutrifft, gilt nach Meinung des Physikers Rose auch für Außerirdische. Auch sie würden Botschaften wegen des großen Energieaufwandes möglicherweise nicht funken, sondern als Flaschenpost verschicken.

Als Informationsträger käme auch die DNA in Frage, meint der australische Physiker Paul Davies. Biologische Zellen enthielten Informationen, die vor Jahrmilliarden von der Natur geschrieben worden seien. Der Australier hält es durchaus für möglich, dass Aliens ein paar Botschaften in das Erbgut eingeschmuggelt haben. Entdeckt wurde eine solche Nachricht jedoch bis heute nicht.

Holger Dambeck