Enthüllt Riesensonnen strahlen im Verborgenen
Schon lange verblüfft eine seltsame Region der Milchstraße mit dem unspektakulären Namen W49A die Astronomen. Aus dem inmitten einer gigantischen Molekülwolke gelegenen Gebiet dringt intensive Strahlung. Doch bislang konnte niemand in dem Nebel, der zu den auffälligsten Radioquellen der Galaxis zählt, den Ursprung der Emissionen entdecken.
Kein Wunder: Die 37.000 Lichtjahre entfernte Strahlungsquelle hüllt sich in dichte, für normale Teleskope undurchdringliche Schleier. Sichtbares Licht verliert sich im Staubgestöber, nur langwelligere Infrarotstrahlung dringt hindurch. Das haben João Alves und Nicole Homeier vom European Southern Observatory in Garching bei München ausgenutzt: Mit einer Infrarotkamera konnten sie ins unbekannte Zentrum von W49A blicken.
Das Instrument, montiert am New Technology Telescope (3,5 Meter Spiegeldurchmesser) des chilenischen La-Silla-Observatoriums, offenbarte über hundert schwergewichtige, in dicken Schwaden verborgene Sterne. Etwa 30 davon bevölkern die Zentralregion von W49A, wo sie das Wasserstoffgewaber in einem Radius von 20 Lichtjahren zum Leuchten anregen.
Nach astronomischen Maßstäben sind die Riesensonnen gerade erst ihrer wolkigen Wiege entsprungen - noch haben sie es nicht geschafft, den staubigen Kokon zu zerstrahlen. Neben der Hauptgruppe konnten Alves und Homeier, die ihre Ergebnisse auf dem Treffen der Internationalen Astronomischen Union in Sydney vorstellten, noch weitere junge Sternhaufen nachweisen, die sich offenbar parallel zur zentralen Ansammlung gebildet haben. Der Fund kann endlich die großen Energiemengen erklären, die W49A abstrahlt.
"Insgesamt haben wir darin vier massive Sternhaufen enthüllt, mit Sternen von bis zu 120 Sonnenmassen", berichtet Homeier. Die Riesenbabys verbrauchen ihren nuklearen Brennstoff im Eiltempo - und verwandeln ihre Nachbarschaft in eine Strahlungshölle. "Sie bombardieren ihre Umgebung mit unglaublich intensiven stellaren Winden und starkem UV-Licht", so die Forscherin. "Und das alles in unserer angeblich so ruhigen Galaxis."