Erweiterung Die ISS hat jetzt eine Veranda
Washington - Der Job war nervtötend für alle Beteiligten. Weil ein Mikrofon im Helm von Astronaut Tim Kopra kaputt war, füllten während des gesamten Außeneinsatzes laute Störgeräusche den Funkverkehr zwischen dem Kontrollzentrum und den Raumfahrern. "Den ganzen Außenbordeinsatz über diesen statische Entladungen zuhören zu müssen, ist ermüdender, als man sich das vorstellt", sagte der zuständige Nasa-Manager Kieth Johnson in Cape Canaveral, "aber ich denke, wir haben es durchgestanden."
Der Arbeitsausflug der beiden Astronauten hatte genau fünf Stunden und 32 Minuten gedauert - und das Ergebnis kann sich sehen lassen: Zusammen mit seinem Kollegen Dave Wolf gelang es Kopra, eine mehrere Tonnen schwere "Veranda" am japanischen "Kibo"-Modul anzubringen. Dabei nutzen sie die Hilfe von zwei Roboterarmen.
Die frischinstallierte Plattform soll dabei helfen, wissenschaftliche Experimente im freien Weltraum durchzuführen. Dazu gibt es insgesamt zehn Plätze für Versuchsanordnungen. Die Installation der "Kibo"-Erweiterung war Hauptziel der "Endeavour"-Mission. Das Shuttle hatte das Bauteil in seiner Ladebucht mitgebracht.
Die "Endeavour" hatte mit sieben Astronauten an Bord am Freitag an der ISS angedockt. Auf dem Weg zur Station hatte die Crew unter Kommandant Mark Polansky den Hitzeschild des Shuttle mit Hilfe des Roboterarms untersucht. Dabei wurden keine nennenswerten Beschädigungen festgestellt, so dass Entwarnung gegeben werden konnte.
Insgesamt sind während der elftägigen Shuttle-Mission fünf Ausstiege ins All geplant. Der zweite soll am Montag stattfinden. Zusammen mit den sechs Mitgliedern der ISS-Stammbesatzung sind die Shuttle-Raumfahrer das bisher größte gemeinsame Team im Weltraum - insgesamt 13 Menschen. Dabei ist die Crew nicht nur die zahlenmäßig stärkste, sondern auch die internationalste: sieben Amerikaner, zwei Russen, zwei Kanadier, ein Japaner und ein Belgier kreisen derzeit gemeinsam in 350 Kilometern Höhe. Die Geschlechterbalance ist allerdings nicht gegeben - auf zwölf Männer kommt nur eine Frau.