Erwischt Schwarzes Loch verschlingt Stern
Im Sternbild Herkules, weit entfernt von der Milchstraße, ist anscheinend eine stellare Karriere spektakulär zu Ende gegangen. Der Astronom Feng Ma von der University of Texas in Austin glaubt, dort die Überreste einer Sonne nachgewiesen zu haben, die von einem supermassiven Schwarzen Loch in Stücke gerissen und teilweise verschlungen wurde.
Die verdächtigen Spuren entdeckte Ma eher zufällig, als er mit dem 2,7-Meter-Teleskop des universitätseigenen McDonald Observatory einen Quasar beobachtete. Bei diesen sternähnlichen Lichtquellen handelt es sich in Wirklichkeit um ferne, aber äußerst leuchtkräftige Galaxienkerne. Verantwortlich für die hohe Aktivität sind, so vermuten Forscher, extrem massive Schwarze Löcher im Zentrum der Quasare.
Ein solches dunkles Zentralobjekt findet sich, wie deutsche Astronomen gerade erst zeigen konnten, wahrscheinlich auch in der Mitte unserer Galaxis. Der lokale Materieschlund verhält sich allerdings relativ ruhig. Zudem ist er mit rund drei Millionen Sonnenmassen ein Leichtgewicht im Vergleich zu den fernen Quasar-Löchern: Diese können, so Schätzungen, mehrere Milliarden Sonnenmassen erreichen.
Um derart aktive Schwarze Löcher kreisen heiße Gasmassen, die nach und nach verschlungen werden. Mitunter verleiben sich die kosmischen Vielfraße auch ganze Sterne ein - den Beleg dafür liefert Ma zufolge der Quasar TEX 1726+344 im Sternbild Herkules. Im Spektrum dieser Strahlungsquelle fand der Astronom eine so genannte Absorptionslinie, die auf früheren Aufnahmen aus den Jahren 1988 und 1990 nicht zu erkennen war.
Solche Absorptionslinien entstehen, wenn Materie vor dem Objekt bestimmte Wellenlängen abdämpft. Wie Ma errechnet hat, geht die Linie im Fall des Quasars auf eine Gaswolke zurück, die mit einer Geschwindigkeit von rund 6000 Kilometern pro Sekunde aus dem Zentrum schießt. Der Forscher sieht darin die Überbleibsel "eines Sternes, der von der Gravitation des Schwarzen Lochs auseinander gerissen wurde."
Die eine Hälfte, so Ma, fiel vermutlich in den dunklen Schlund, während die andere mit hohem Tempo nach außen geschleudert wurde. Auf eine Bestätigung dieser Annahme muss der Wissenschaftler allerdings noch etwas warten: "Wenn die Interpretation korrekt ist, müsste dieses Merkmal im Spektrum in den nächsten Jahren wieder verschwinden."