Explodierter Stern: Riesen-Supernova rekonstruiert - DER SPIEGEL
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Explodierter Stern Riesen-Supernova rekonstruiert

Es war eine der gewaltigsten Sternexplosionen, die in den vergangenen Jahrzehnten von der Erde aus zu sehen waren - und niemand bemerkte sie. Erst jetzt haben Forscher das Drama rekonstruiert - und erstaunliche Ähnlichkeiten mit einer anderen, mysteriösen Supernova entdeckt.
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Im Todeskampf bäumte sich der Stern noch einmal auf und fegte alles davon, was sich in seiner Nähe befand. Dann explodierte er. Die gigantische Schockwelle zuckte durch die klare Blase um den Stern. Als sie die dichte Materie rund um den Stern traf, sendete sie ein gleißendes Röntgen- und Radiosignal ins All - eines der stärksten, das jemals bei einer Supernova beobachtet wurde.

Auf der Erde wäre das Spektakel irgendwann zwischen dem 28. Februar 1995 und dem 15. März 1996 zu sehen gewesen - wenn denn jemand hingeschaut hätte. Doch die Himmelsforscher haben die Sternexplosion nicht entdeckt, obwohl sie sich in der unmittelbaren kosmischen Nachbarschaft der Erde abgespielt hat.

Erst 2001 erspähte Franz Bauer, der heute an der New Yorker Columbia University arbeitet, ein helles und veränderliches Objekt in der Spiralgalaxie Circinius. Auf den Bildern des Röntgenteleskops "Chandra" zeigte die Supernova außergewöhnliche Eigenschaften, wurde aber von den Forschern nicht als solche erkannt.

Erst jetzt gelang Bauer und seinen Kollegen der Nachweis - dank akribischer Nachforschung in den Archiven von 18 großen Teleskopen im Weltraum und auf der Erde. Da die Supernova der Erde so nahe ist, fanden die Wissenschaftler einen reichen Schatz an Daten vor. Sie zeigten, dass die Stärke des Radio- und Röntgensignals von SN 1996cr, wie die übersehene Sternexplosion heißt, rekordverdächtig ist.

Ähnlichkeit mit berühmter Supernova von 1987

Zudem besitze die Supernova erstaunliche Ähnlichkeit mit der berühmten Supernova 1987A. Deren Licht war vor 19 Jahren auf der Erde sogar mit dem bloßen Auge sichtbar. Seitdem war sie eines der am intensivsten erforschten Objekte am Himmel - nicht zuletzt wegen ihres seltsamen Verhaltens. Denn die Röntgenstrahlung von SN 1987A wurde mit der Zeit immer stärker statt schwächer - was so noch bei keiner anderen Supernova beobachtet wurde.

Die jetzt identifizierte SN 1996cr "ist anscheinend ein entfernter Cousin von SN 1987A ", sagte Bauer. "Beide ähneln sich in vielerlei Hinsicht. Nur dass diese neuere Supernova im Radio- und Röntgenbereich tausendmal heller strahlt." Dass SN 1987A mit dem bloßen Auge zu sehen war, liegt an den unterschiedlichen Distanzen: Während SN 1996cr rund zwölf Millionen Lichtjahre von der Erde entfernt ist, waren es bei SN 1987A nur rund 170.000 Lichtjahre.

In beiden Fällen aber hat der Stern sein direktes Umfeld freigeblasen, ehe er explodierte. Das lässt die Forscher vermuten, dass der Tod massereicher Sterne oft auf diese Art eingeleitet wird. "Unsere Arbeit zeigt nicht nur, dass SN 1987A nicht so ungewöhnlich ist wie bisher gedacht", sagte Bauers Kollege Vikram Dwarkadas von der University of Chicago. "Wir erkennen auch, welche enormen Umbrüche massereiche Sterne während ihres Lebens durchlaufen."

Bauer hob die Art und Weise hervor, auf die SN 1996cr nun identifiziert wurde. "Wir sind jetzt wirklich in der neuen Ära der Internet-Astronomie angekommen", so der Forscher. Ohne die schnelle Recherche in den Archiven der unterschiedlichen Teleskope wäre man nie in der Lage gewesen, die Supernova nachträglich dingfest zu machen. Die Wissenschaftler werden ihre Ergebnisse  demnächst im "Astrophysical Journal" vorstellen.

mbe

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