Funkwellen-Technik: "Cassini" durchleuchtet Saturnringe - DER SPIEGEL
Zum Inhalt springen

Funkwellen-Technik "Cassini" durchleuchtet Saturnringe

Die Raumsonde "Cassini" hat die Ringe des Saturns in bisher nie erreichter Präzision abgelichtet - darunter auch den B-Ring, der von früheren Forschungssonden nicht beobachtet werden konnte. Dabei stellte sich heraus, dass der Saturn noch immer für Überraschungen gut ist.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Seit ihrer Entdeckung durch Galileo Galilei im Jahr 1610 faszinieren die Saturnringe die Astronomen. Ihre Herkunft ist bis heute ein Rätsel, und auch über ihren Aufbau gibt es noch zahlreiche unbeantwortete Fragen. Denn das Ringsystem ist groß und komplex: Die Distanz vom inneren zum äußeren Rand ist größer als die Entfernung zwischen Erde und Mond. Zudem gibt es zwischen den Ringen, die nach der Reihenfolge ihrer Entdeckung von A bis G benannt sind, deutliche Unterschiede.

Fotovergleich: Die obere Hälfte ist ein Echtfarbenbild der Telekamera von "Cassini", der untere Teil das Ergebnis der Radiookkultation

Fotovergleich: Die obere Hälfte ist ein Echtfarbenbild der Telekamera von "Cassini", der untere Teil das Ergebnis der Radiookkultation

Foto: NASA / JPL
Scharfblick: Unterschiedliche Farben kennzeichnen die Zusammensetzung der Saturnringe. Violett-Schattierungen zeigen Bereiche mit einem Mangel an kleinen Partikeln. Grün- und Blautöne stehen für Gebiete mit Teilchen von unter fünf bzw. unter einem Zentimeter Durchmesser

Scharfblick: Unterschiedliche Farben kennzeichnen die Zusammensetzung der Saturnringe. Violett-Schattierungen zeigen Bereiche mit einem Mangel an kleinen Partikeln. Grün- und Blautöne stehen für Gebiete mit Teilchen von unter fünf bzw. unter einem Zentimeter Durchmesser

Foto: NASA / JPL
Winzlinge im A-Ring: Die allmähliche Veränderung zu Grün am äußeren A-Ring zeigt, dass die Häufigkeit von Partikeln mit rund fünf Zentimetern Durchmesser steigt. Zahlreiche Kollisionen zerreiben die Bruchstücken in immer kleinere Teile

Winzlinge im A-Ring: Die allmähliche Veränderung zu Grün am äußeren A-Ring zeigt, dass die Häufigkeit von Partikeln mit rund fünf Zentimetern Durchmesser steigt. Zahlreiche Kollisionen zerreiben die Bruchstücken in immer kleinere Teile

Foto: NASA / JPL

Die bisher genauesten Daten über das komplexe Ringsystem lieferte jetzt die Nasa-Sonde "Cassini" mit Hilfe der sogenannten Radiookkultation. Bei dem Verfahren schickt die Sonde Funksignale durch die Ringe des Saturns. Die Wissenschaftler können dann anhand der Veränderungen in der Signalstärke auf die Dichte und die Zusammensetzung der Ringe schließen. Erstmals kamen bei der Methode gleich drei verschiedene Frequenzen zum Einsatz.



     

Klicken Sie auf ein Bild,
um zu den Großbildansichten zu gelangen.



"Alle Ringe enthalten ein breites Spektrum an unterschiedlichen Partikeln", sagte Essam Marouf, Mitglied des Forschungsteams, das die "Cassini"- Funksignale auswertet. Die Durchmesser der Eis- und Gesteinsbrocken reichten von weniger als fünf Zentimetern bis hin zu vielen Metern. Während kleine Partikel im B-Ring und im inneren A-Ring selten vorkämen, seien sie im C-Ring und im äußeren A-Ring oft anzutreffen.

Außerdem fand "Cassini" heraus, dass die inneren und äußeren Abschnitte des B-Rings ihrerseits Ringe enthalten, die Hunderte von Kilometern breit und äußerst heterogen zusammengesetzt sind. Der 5000 Kilometer breite Kern berge mehrere Bänder, deren Materialdichte die von Ring A um das Vierfache und die von Ring C um das Zwanzigfache überschreite. Mit dieser ungleichmäßigen Zusammensetzung unterscheidet sich der B-Ring der Nasa zufolge deutlich vom flachen A-Ring und vom wellenförmigen C-Ring.

Mehr lesen über