"Genesis"-Mission: Sonnenmaterial weitgehend intakt - DER SPIEGEL
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"Genesis"-Mission Sonnenmaterial weitgehend intakt

Neue Hoffnung für Weltraum-Wissenschaftler: Beim Absturz der "Genesis"-Kapsel ist die wertvolle Sonnenstaub-Fracht wider Erwarten weitgehend intakt geblieben. Experten der Nasa glauben, viele ihrer Forschungsziele doch noch erreichen zu können.
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Zwar ist die Kapsel, die vergangene Woche von der "Genesis"-Sonde aus dem All abgestoßen und zur Erde zurückgeschickt wurde, bei dem Aufprall in der Wüste von Utah schwer beschädigt worden. Doch einige der 270 zehn Zentimeter großen, sechseckigen Sonnenstaub-Kollektoren in dem Proben-Kanister sind intakt geblieben, teilte die Nasa mit.

"Wir sind überrascht, dass wir überhaupt etwas haben", sagte Don Sevilla vom Jet Propulsion Laboratory der Raumfahrtbehörde. Die Forscher hatten den Inhalt des Kanisters zunächst mit Taschenlampen und Spiegeln untersucht. "Wir sollten die meisten, wenn nicht sogar alle wissenschaftlichen Ziele erreichen können", meinte einer der führenden Wissenschaftler des Projekts, Roger Wiens. Die Experten hoffen, auch in den Fragmenten der zerschmetterten Kollektoren Sonnenwindpartikel zu finden. Die Untersuchung dürfte einige Wochen dauern.

Die größte Sorge der Wissenschaftler ist die Verschmutzung der Kollektoren, weil der Kanister bei dem Aufprall aufsprang. Die Sonnenwindpartikel - Milliarden Atome, die zusammen nur so viel wie ein paar Salzkörner wiegen - sollten eigentlich sofort nach der Landung in einem hermetisch abgeriegelten Labor untersucht werden. Der erste Blick ins Innere der Kapsel habe nun aber gezeigt, dass das Material überraschend sauber sei, sagte Sevilla. "Wir haben es nicht mit großen Klumpen von Dreck zu tun."

Die Forscher benötigen zudem nicht unbedingt die vollständigen Kollektoren. "Fingernagelgroße Scherben reichen für unsere Analysen vollkommen aus", sagte Rainer Wieler von der Eidgenössischen Technischen Hochschule in Zürich dem SPIEGEL. "Und vielleicht genügen uns sogar millimetergroße Bruchstücke." Der Schweizer Forscher will in erster Linie Edelgasatome aus dem Sonnenwind untersuchen. "Auch Verunreinigungen beim Crash stellen für uns kein Problem dar, weil Edelgase chemisch nicht mit anderen Stoffen reagieren", so Wieler.

Die "Genesis"-Kapsel war am Mittwoch während der Rückkehr ungebremst zu Boden gestürzt, weil sich die Fallschirme nicht wie vorgesehen geöffnet hatten. Die Ursache war nach ersten Erkenntnissen eine schadhafte Batterie. Die Nasa, die die "Genesis"-Sonde vor drei Jahren ins All geschossen hatte, befürchtete zunächst, dass das 214 Millionen Euro teure Projekt gescheitert sei. "Genesis" hatte auf ihrer dreijährigen Reise in einer Entfernung von über 1,6 Millionen Kilometern von der Erde Sonnenpartikel eingefangen. Die Wissenschaftler erhoffen sich davon Aufschluss über die Entstehung des Sonnensystems vor 4,6 Milliarden Jahren.