Glücklich getrennt Mars-Lander "Beagle 2" jetzt solo
Für die Raumfahrt-Ingenieure war es beinahe schon eine Routineoperation: das Ausklinken des Mars-Landers "Beagle 2". Wie geplant löste sich die 60 Kilogramm schwere Kapsel gegen 9.30 Uhr von seinem Mutterschiff "Mars Express" und entfernte sich mit einer Geschwindigkeit von 0,3 Metern pro Sekunde.
Die europäische Marssonde musste die Nachricht von der glücklichen Trennung jedoch zunächst für sich behalten. Wegen des Abkopplungsmanövers hatten die Techniker aus Europas Raumfahrtbehörde Esa "Mars Express" so drehen müssen, dass seine Antennen nicht in Richtung Erde zeigten. Nach der Trennung drehte sich "Mars Express" dann jedoch wieder in eine andere Position und konnte die erfreuliche Botschaft nach Hause funken.
Die Auswertung dauerte dann noch ein Weilchen, aber um 12.12 Uhr konnte Michael McCay, "Flight Director" der Esa, verkünden: "Beagle ist vom Orbiter getrennt."
Ab dem Zeitpunkt gehen das Mutterschiff "Mars Express" und der Lander eigene Wege. Die Landekapsel befindet sich auf direktem Kurs zum Mars und wird in der Nacht zum 25. Dezember mit rund 20.000 km/h in dessen Atmosphäre eintauchen.
Das Risiko, dass Sandstürme den Erfolg der Mission gefährden können, ist offenbar gesunken. Wie die Esa gestern mitteilte, gibt es derzeit nur zwei kleinere Stürme, die weit genug von der anvisierten Landeregion Isidis Planitia entfernt sind.
"Beagle 2" soll nach erfolgreicher Landung auf dem Mars nach Wasser und primitiven Lebensformen suchen. Geplant sind bis zu fünf Probebohrungen mit einem in Deutschland entwickelten Gerät. Der "Maulwurf"-Bohrer erreicht Tiefen bis zu 1,5 Metern.
Das Mutterschiff "Mars Express" biegt in wenigen Tagen in eine Mars-Umlaufbahn ein. Ohne Kurskorrektur würde die Sonde in der Marsatmosphäre verglühen, denn sie verfügt nicht über einen Hitzeschild.
"Mars Express" hat eine spezielle Stereokamera an Bord, deren Fotos neue Erkenntnisse über die Vergangenheit des Wassers auf dem Roten Planeten bringen soll. Das "Superauge" HRSC erkennt aus einer Höhe von 250 Kilometern noch Objekte von einer Größe von einem Meter. Mit Hilfe der Stereo-Fotos wollen die Wissenschaftler ein genaues Höhenprofil der teilweise von tiefen Tälern durchzogenen Oberfläche erstellen und so Rückschlüsse auf frühere Wasserströme ziehen.
Ebenfalls große Erwartungen setzen die Wissenschaftler auf "Marsis", einen Radar, dessen Wellen mehrere Kilometer tief in den Marsboden eindringen, deren Reflektion Aufschluss über die Zusammensetzung des Gesteins liefern soll.