Satellitenbild der Woche Gefährliche Risse im Petermann-Gletscher
Falschfarbenbild des Petermann-Gletschers
Foto: ESA/ Copernicus Sentinel DataIst das Kunst oder kann das weg? Zwar sieht diese Aufnahme so aus, als hätte ein Künstler auf der Leinwand seine frischen Acrylfarben per Spachtel noch nicht vollständig verteilt. Doch tatsächlich ist die Farbgebung hier weder zufällig, wie sie zu einem kleinen Teil vielleicht bei moderner Kunst entstehen mag, noch ist sie nach künstlerischen Gesichtspunkten gewählt.
In diesem Satellitenbild sind die Wolken weiß mit einem Hauch von grün, während Schnee und Eis blau erscheinen. Helle Grünflächen zeigen Vegetation, während schwarze Flecken Schatten und Wasser sind. Bei der Aufnahme handelt es sich um ein sogenanntes Falschfarbenbild. Dabei werden teils für unser Auge nicht wahrnehmbare Farben etwa aus dem Infrarotbereich durch andere, sichtbare Farben ersetzt. Geoforscher können in solchen Darstellungen gewünschte Bereiche besser erkennen.
Diese Aufnahme hat der Erdbeobachtungssatellit "Sentinel-2A" gemacht. Er ist Teil des "Copernicus"-Programms der Europäischen Weltraumorganisation Esa zur Erd- und Umweltbeobachtung. Mit den hochauflösenden Spektralbildern des "Wächters" werden etwa Veränderungen von Vegetation und Landschaft aufgezeichnet.
Satellitenbild der Woche: Schnappschüsse aus dem All
Das Foto zeigt einen Gletscher im Nordwesten von Grönland, den Petermann-Gletscher. Das 1300 Quadratkilometer große Gebiet verbindet den Grönländischen Eisschild mit dem Arktischen Ozean. Ein besonders auffälliges Merkmal des Gletschers ist seine etwa 70 Kilometer lange und 15 Kilometer breite Zunge, die auf der Aufnahme zu sehen ist und die auf Wasser schwimmt.
Immer wieder sind riesige Stücke aus dem Gletscher gebrochen. Fachleute bezeichnen diesen Vorgang als "kalben". Zuletzt fing "Sentinal-2A" ein etwa 5,5 Quadratkilometer großes Stück ein, das im Juli herausgebrochen war. Bekannt wurde der Abbruch eines Eisbergs 2010: Das Stück hatte eine Fläche von 260 Quadratkilometern und eine Dicke von 200 Metern. Die Fließgeschwindigkeit des Gletschers habe sich danach um zehn bis 20 Prozent erhöht, schrieben Forscher damals.
Derzeit beobachten Forscher den Gletscher erneut mit Sorge: Ein neuer Riss im Eis könnte einen weiteren Abbruch ankündigen. Verschwinden Gletscher ganz, können sie einen erheblichen Beitrag zum Anstieg des Meeresspiegels leisten.
Der Petermann-Gletscher ist eine der größten Eiszungen auf Grönland: Laut der Europäischen Weltraumorganisation Esa, die das Bild aus dem August dieses Jahres veröffentlicht hat, würde ein komplettes Abschmelzen des Gletschers den Meeresspiegel um 30 Zentimeter ansteigen lassen.